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Full text of "Zur Kritik der altgermanischen Elemente im spanischen..."

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^t'Zur Kritik 



der 



altgermanischen Elemente 

im Spanisclien. 

♦Me+--v 

Inaugural -Dissertation 

zur 

Erlangung der Doktorwürde 

bei der 

hohen philosophisohen Facuität 

der Rhein. Friedr. - Wilh. - Universität zu Bonn 

Eingereicht 

und mit den beigefügten Thesen vertheidigt 

am 24. August 1887^ Morgens II Uhr 

von 

Moritz Goldschmidt 

aas Nordhausen. 






Opponenten : 

Friedrich IWiohr, cand. phil., 
Jean Etienne Lorolc, cand. phil. 
Ferdinand KOrbs, caxtd. phil. 



Lingen 

Druck von J. L. v. d. Velde Veldmann. 

18S7. 



} 



Zur Kritik 



der 



altffermanischen Elemente 

im Spaniscilen. 



■Wt&f 



Inaugurai- Dissertation 



von 



Moritz Goldschmidt 

ans Nordhansen. 



Lingen 

Pruck von J. L. v. d. Velde Veldmann. 

1887. 



llicbt das problem der sprachmischong an sich, nach 
dem urteil eines nnserer hervorragendsten Sprachforscher 
das wichtigste von allen, mit welchen die heutige Sprach- 
wissenschaft zu thun hat, nicht die frage nach den eigen- 
tümlichen Vorgängen; welche sich in der spräche der 
individuen und Völker durch den verkehr mit anders- 
sprachigen Individuen und Völkern vollziehen, soll der 
gegenständ vorliegender abhandlung sein. Untersuchungen 
solcher art lassen sich nur an lebenden individuen an- 
stellen, wie ja Überhaupt jede sprachliche prinzipienfrage 
sich nur lösen lässt durch die genaue beobachtung der 
lebenden sprachen. Von hier aus können wir durch 
riickschluss auch in das leben vergangener sprachen 
einzudringen versuchen. Die bedingungen sprachlichen 
lebens, sprachlicher fortentwicklung sind heute dieselben 
wie vor tausend jähren. Sie sind mannigfaltiger art ; 
physiologische und psychologische einflUsse durchkreuzen 
sich fortwährend. Wer vermag noch im einzelnen bei 
der geringen anzahl der Zeugnisse aus alter zeit festzu- 
stellen, in welcher weise sie auf einander gewirkt haben? 
Wir wollen untersuchen, welche folgerungen sich aus 
dem zustande der uns erhaltenen altgermanischen de- 
mente im spanischen für die lautlehre des spanischen 
sowohl als des germanischen erschliessen lassen. Den 
einfluss der germanischen Invasion auf den spanischen 
(resp. romanischen) satzbau zn ergründen, muss schon 
aus dem gründe aus dem bereich unserer Untersuchung 

1* 



— 4 — 

fallen^ weil fast alle vorarbeiten zu einer solchen fehlen. 
Paul Meyer längnet ganz den germanischen einflnss nach 
dieser ricbtnng : ,,I1 serait bien peu naturel de snpposer 
qne ces constractions fantives aient 6tö adoptöes par les 
contemporains, tont an contraire j'imagine qn^ils en fnrent 
grandement choqn^s. de meme qne nous voyons les gens 
illetträSy s'ötonner plns qne d'antrcs, pent-Stre^ des an- 
giicismejs on des germanismes qn'ils entendent prof^rer/' 
(Bibl. de Töc. d. chart. 5. s^r. T. 4, p. 363.) Diese werte 
beweisen eine völlige vevkennung des wesens der sprach- 
miscbung. Über den durchreisenden Engländer ^ der 
unsere spräche radebricht, mögen wir uns vielleicht 
lustig machen; die fehler aber, welche der in unserem 
lande herrschende krieger in der behandlung unseres 
idioms macht, seien es nun Verstösse gegen die aus- 
spräche oder gegen die construction, werden uns an- 
fangs vielleicht seltsam erscheinen, allmählich aber 
werden wir uns an dieselben gewöhnen und werden 
vieles davon annehmen. Bartsch hat einmal auf der 
ßostocker Philologenversammlung 1875 „vom deutschen 
geist in den rom. sprachen^' gehandelt. Das meiste 
freilich von deip, was er ai^iführt, wird sich wohl auch 
aus dem geiste der l^t. spräche erklären lassen. Aber 
das eindringen mancher germanismen in die rom. sprachen 
erscheint mir zweifellos. 

Näher scheint eine andere frage, welche ich eben 
streifte, unserer Untersuchung zu liegen, in wie weit 
nämlich die lautliche gestalt der rom. worte durch die 
germ. ausspräche beeinflusst worden ist. Natürlich sprach 
der germane das romanische zuerst mit germanischem 
accent und mit germanischer ausspräche ; bei gewissen 
Worten, die in bedeutung und lautgestalt im rom. und 
germ. fast gleich waren, mochte er noch länger seine 
heimische ausspräche bewahrt haben. Konnte diese an- 



r- 5 — 

gleicbuDg sich nicht auch auf die romanen übertragen? 
Hier ist vor allem an Jenen eigentümlichen Vorgang zu 
erinnörn; dass lat. v- in einer anzabl von werten zu gu- 
geworden ist, und zwar meist in solchen, denen ein 
ähnliches germ. wort zur seite steht zb. vastare > guästar, 
vulpes < golpe' (cf. germ. wastan wulfs), und so könnte 
man wohl an eine ,,deutsche Schattierung rom. worte^' 
(Max MttUer Kz V 11—24) glauben. Aber man bedenke, 
dass sich dieser wandet auch in werten findet^ wo kein 
germ. einfluss vorliegen kann, und dass er sich spontan 
auch nach aufhören der germ. Invasion eütwickelt hat.*) 
So beschränkt sich denn unsere aufgäbe auf die 
Untersuchung der entwicklung der altgerm. laute im 
span., durch deren kenntnis auch auf die span. laut- 
Chronologie ein gewisses licht fällt. Ebenso wie wir 
aus den rom. sprachen selbst die ihnen gemeinsame 
grnndlage, das Vulgärlatein, zu erkennen suchen, sollen 
uns die lehnworte die mittel an die band geben, auch 
spätere lautgestaltungen chronologisch zu bestimmen. 
Aber schon die bestimmung des Vulgärlatein stösst auf 
grosse Schwierigkeiten. Sicher wird ein vulg. lat. „sub - 
strat'^, um mit Gröber zu reden, nur dann sein, wenn es 
die von den lat. lautgesetzen geforderte spracbform im 
gegensatz zum „klassischen'' latein aufweist. So ist 
*alecer die regelrechte form gegenüber klass. alacer, 
da lat. a in unbet. silbe sich in e schwächt; aus dem- 
selben gründe ist *seperare berechtigt (fr. sevrcr). Auch 
auf die quantität der lat. vocale in der position kann 
man aus der qualität der rom. vocale Schlüsse ziehen, 
wie W. Förster im Rhein. Mus. 1878 nachgewiesen hat. 

*} So wird im astur, jedes vu — (gleichgiltig ob primär oder 
secundär) ]> gu-; bonus bneiio ]> gueno, sp. [ajbuelo =r ast. 
guelo, sp. hues'o — ast. gueso, dem lat. oculum entspricht im 
astur, gueyu u. dgl. m.- 



— 6 — 

Aber hier ist schon eine gewisse vorsieht erforderlich. 
So ist es bedenklich; wenn Gröber WöliTl. Arch. I 544 
ein ylg. lat. *cercias =- lat. circius ans span. cierzo be- 
gründen will. Das span. lantgesetz, demzufolge lat e 
zu ie wird, erleidet gewisse nicht durchweg erklärte 
ausnahmen. Als eine erklärung kann ich es wenigstens 
nicht betrachten ; wenn Gröber 1. c. III 512 sp. nieve 
= nivem durch anlehnung au nieva = ^nevat, dieses 
durch anlehnung an lieva entstanden glaubt. Am be- 
denklichsten aber ist es, wenn man aus den rom. 
sprachen ein substrat entnimmt, das den lautgesetzen 
dieser sprachen völlig widerspricht; so weisen span- 
quijada etc. nicht auf ein lat capsus, sondern höchstens 
auf ein hypothetisches *caxus ^caiata, dessen existenz- 
berechtigung noch zu ergründen wäre, das yielleicht 
auch im span. cascar =*caxicare noch fortleben mag. 
Über die ausspräche des latein in den provinzen ergeben 
sich aus Inschriften und grammatikerberichten mannig- 
faltige; aber höchst ungleiche Zeugnisse ; man muss hier- 
bei erwägen, dass der bildungsgrad und die heimat der 
betreffenden Steinmetzen meist unbekannt ist, und dass 
die grammatiker nur selten selbstgehörtes berichten, 
meist der eine von dem anderen in höchst naiver weise 
abschreibt. 

Wie aber steht es mit unserer kenntnis der altgerm. 
dialekte? Durch einen glücklichen zufall ist uns ein 
ehrwürdiges denkmal der gotischen spräche aus der zeit 
der Völkerwanderung erhalten, und zwar in fragmenten 
verschiedener hdss.; aber wir wissen nicht überall den 
lautwert des hier wohl zum ersten male zur niedersehrift 
eines germ. denkmals verwandten alphabets zu deuten. 
Wulfila scheint sich hauptsächlich an das griech. aiphabet 
angelehnt zu haben, wie sein gg = ng u^.dgl. beweist. 
Anderes scheint wieder dem lat. aiphabet entnommen. 



— 7 — 

Da wir nun über die ausspräche des grieeh. und lat. 
zu jener zeit nicht vollkommen unterrichtet sind, so ist 
uns auch manche einzelheit in der got. ausspräche ver- 
schlossen. Zur kenntnis des altgerm. tragen ferner bei 
die zahlreichen eigennamen, welche uns auf inschrifteU; 
in Urkunden und bei den lat. Schriftstellern des ma. 
tiberliefert sind. Auch dieses höchst ungleiche zeugen; 
am wichtigsten natürlich die inschriften aus älterer zeit, 
die aber nur in geringer anzahl vorhanden sind. Original- 
urkunden aus der zeit, die hauptsächlich für uns in be- 
tracht kommt, existieren ebenfalls kaum, und von den 
Schriftstellern besitzen wir hdss. erst aus verhältnismässig 
später zeit, so dass die namen vielfacher entstellung 
ausgesetzt sind. Doch sind alle diese mängel nicht sehr 
schlimm, da wir durch vergleichung des einzelnen viel- 
fach auf eine ältere stufe gelangen können; und was 
noch wichtiger ist, , die germ. lehnwörter sind hier viel- 
fach entscheidend. Bei der Untersuchung über die älteste 
schiebt germ. lehnwörter in einer rom. spräche ist es 
also verfehlt, wie es zb. Waltemath „die fränk. demente 
in d. frz. spräche" 1885 gethan hat, sich auf die Unter- 
suchung eines* erst in verhältnismässig später zeit ur- 
kundlich überlieferten germ. dialekts zu beschränken. 
Urkunden aus dem 7. — 8. jh. können uns nur mangel- 
haft über die ausspräche des fränk. im 6. jh. belehren. 
Aber der fehler ist nicht so schlimm, wie er scheint. 
Auch im 7. jh. war das fränk. wenigstens, soweit es 
sich aus den Urkunden der Romanen ersehen lässt, noch 
nicht zu sehr von jener älteren ausspräche abgewichen, 
welche der lautgestalt der germ. demente im frz. zu 
gründe liegt. Da nun, wie eine eingehende Untersuchung 
des altgerm. namenmaterials beweist, überhaupt keine 
grösseren unterschiede innerhalb der einzelnen dialekte 
aus den rom. Urkunden zu ersehen sind; so ist es mUssig, 



— 8 — 

einen bestimmten dialekt zu grnnde zn legen. Hier 
kann der Sprachforscher nichts erweisen; es ist sache 
des bistorikers zu untersuchen, \relcher germ. völker- 
stamm an dem oder jenem punkt romanischen landes 
längere od«r kürzere zeit geweilt bat. Aber es ist 
höchst fraglich, ob sich aus dieser Untersuchung aucli 
nur ein lautchronologischer anhaltspunkt ftlr die älteste 
schiebt ergeben wird; für die späteren schiebten liegt es 
natürlich anders. 

Zu einer solchen vergleichung altgerm. namen- 
materials habe ich für das got. namentlich J. Eremer's 
treffliche abhandlung ,,behandlung der ersten compo- 
sitionsgliederim germ. nominalcompo8itum",PB VIII 371 ff. 
benutzt, ausserdem natürlich auch die älteren arbeiten 
von Dietrich und Bezzenb erger ; für das wandalische 
liegt seit vorigem jähr eine Spezialuntersuchung von 
Wrede (QF 59) vor, welcher darauf ausgeht, besondere 
dialektische Verschiedenheiten des wandal. von den 
übrigen „wandilischen^^ dialekten zu erweisen, ohne dass 
ihm dies meiner ansieht nach gelungen ist. Ebenso 
wollte Wackernagel „spräche und Sprachdenkmäler der 
Burgunden" (Kleine sehr. III. 334 ff.) bedeutende unter- 
schiede des bürg, von dem got. gefunden haben, weil 
er das bürg, nur mit dem got. des Wulfila, nicht mit 
dem got. namenmaterial verglichen hatte. Denselben 
Fehler hat auch Waltemath in seiner oben erwähnten 
abhandlung. Der ältesten schiebt italienischer lehn- 
Wörter germ. berkunft liegt natürlich das ostgot. zu 
gründe, das in den oben erwähnten Schriften über das 
got. behandelt wird ; das langobard., welches etwa seil 
dem ende des 7. jh. der sogenannten hochdeutschen 
lautverschiebung verfällt, hat aber wohl auch schon 
verhältnissmässig früh auf das ital. eingewirkt. Wir 
benutzen die freilich in der namenerklärung vielfach 



— 9 — 

verfehlte, für unsere zwecke aber ausreichende ausgäbe 
von Carl Meyer „Sprache u. Sprachdenkmäler der Lango- 
barden" 1877. Einen sehr wesentlichen dienst für die 
Untersuchung der altgerm. dialekte hat, wie natürlich, 
Braune's althochdeutsche grammatik geleistet, welche 
durch ihre klarheit und Übersichtlichkeit auch dem 
femerstehenden genügende einsieht zu gewähren im 
Stande ist. 

Wenn wir uns nun in dieser Untersuchung auf das 
span. beschränken, so dürfen wir zu einer gründlichen 
forschung natürlich die vergleichung der entsprechenden 
Worte in den anderen roman. sprachen nicht unterlassen. 
Waltemath, der dies verabsäumte, musste schon dadurch 
in manche Irrtümer verfallen. Wir haben dessen arbeit 
bereits mehrfach erwähnt und werden im laufe unserer 
Untersuchung noch öfters darauf zurückkommen. Sie ist 
ohne zweifei die beste darstellung, welche unser thema 
seit Diez erfahren hat. Die verschiedenen programm- 
abhandlungen, dissertationen und sonstigen arbeiten er- 
wähnt, wenn auch nicht ganz vollständig, Körting in 
der Encyklopaedie 111. 49 f. Nur wenige von diesen 
arbeiten gehen über das von Diez gebotene hinaus. 
Dass einige die richtige gotische (resp. altgerm.) form 
anstatt der von Diez angesetzten ahd. zu gründe gelegt, 
kann um so weniger als ein bedeutender fortschritt be- 
zeichnet werden, als Diez sich darüber schon in gleicher 
weise ausgesprochen hatte, in einem briefe an Wacker- 
nagel vom 24. XL 34*) und vor allem in RG F 306, wo 
er daraufhinweist, dass die got. form stets im sinne zu 
behalten ist. Waltemath hat zuerst eine strengere chrono- 
logische Scheidung der einzelnen lehnworte versucht, 
auch „einige folgerungen für die lautchronologie der frz. 



cf. Stenge Ps erinnerungsworte an Diez, p, 78. 



1 "• •• • !• I-"- 



— 10 — 

spräche" (p. 94) aus denselben gezogen, so dass seine 
arbeit allen weiteren forschungen zu gründe gelegt 
werden kann. 

Im anschluss an diese arbeit mag noch einer prin- 
zipiellen frage erwähnung geschehen, welche W. Meyer 
in seiper eingehenden röcension des Waltemath'schen 
buches im Literaturbl. f. germ. u. roni. phil. 1885, p. 486 
aufgeworfen hat, ob wir nämlich „berechtigt sind, fränk. 
formen anzusetzen, die sich nicht aus einem fränk. laut- 
gesetze erklären lassen und doch mit denen der anderen 
germ. sprachen in Widerspruch stehen." Die frage darf 
in der form, wie sie gestellt ist, nur verneint werden. 
Aber selbst zu der annähme, dass das westfränk! in der 
älteren zeit einige besondere lautgesetze entwickelt habe, 
sind wir durch den zustand der germ. lehnworte im frz. 
nicht genötigt. 

Über mein specielles thema ist eine arbeit erschienen, 
auf welche mich prof. Sanohez Moguel aus Madrid auf- 
merksam machte : „Palabras espanolas de indole ger- 
manica Fpor A. Pascual" (Revista de Espana 1871), die 
übrigens trotz ihres beträchtlichen umfangs ttber die an- 
fange kaum hinausgekommen ist, und da sie ausser einer 
Übersetzung der betreffenden stellen aus E. W. nur unbe- 
deutende auszüge aus älteren span. Wörterbüchern ent- 
hält, für unsere Untersuchung völlig belanglos ist. 

I'ür einzelne worte habe ich die etymologischen 
Untersuchungen, welche die verschiedenen romanistischen 
Zeitschriften bieten, benutzt, wenn auch nicht vollständig, 
wie denn überhaupt absolute Vollständigkeit weder in 
der benutzung des namenmaterials noch in der erklärung 
der lehnworte in meiner absieht liegt. Ich biete bei- 
trage zu einer kritik der germ. elemente im span., um, 
soweit es mir möglich, auch zu einer eingehenden er- 
kenntnis der bisher von ^den romanisten so arg vermach- 



» »■ 



— 11 — 

lässigten span. lantlehre beizutragen. Ich will versnchei), 
für die entlehnnngen aus änderen roman. sprachen be- 
stimmte gesichtspunkte zu finden. Hier ist freilich die 
gefahr zu straucheln eine noch grössere. Vielfach mag 
als entlehnung aus dem frz. bezeichnet worden sein^ was 
vielleicht in irgend einem span. dialekt begründet ist. 
Die geschichte der span. dialekte und ausserdem auch 
die geschichte der gegenseitigen beeinfiussung der roman. 
sprachen gehurt leider noch zu den bisher ungeschrie- 
benen kapiteln der roman. lautlehre. 

Das in der arbeit benutzte Schema ist das in roman. 
lautlehren übliche mit den durch die art des themas 
bedingten abweichungen. £ine Scheidung der vocale in 
betonte und unbetonte ist nur da vorgenommen; wo sie 
sich verschieden entwickelt haben. 



Vocalismus. 



a. 

Lat. a erhält si^li im span. in der tonsilbe. 
Die von RG I' 146 erwähnte „ausweiclmng" des a in e 
bei alerce (lat. larix) erklärt sich durch den einfluss des 
arab. (cf. DE. s. v., p. 98). Die anderen dort erwähnten 
ausnahmen sind gemeinrom. — Auch in der unbetonten 
silbe erhält sich a gewöhnlich, enero (januarium), pechar 
(pactare), echar (jactare *jectare) erklären sich wohl 
durch einfluss des J-elemenIs. Dialektisch scheint sich 
dieser wandel in der unbetonten anlautsilbe unmittelbar 
vor dem ton auch sonst zu finden cf. zb. Estorga = Astu- 
rica Fern. Gonz. 125. 

Germ, a hat dieselbe entwicklung. Der im 
ahd. seit 750 auftretende umlaut (Braune § 27) zeigt 
sich im got. bereits im 7. jh. in vielen spuren. Egila 
7. jh. = Agila 6. jh., Egired 7. jh., Ega 688, 693 (nach 
Bezzp. 9 = *ag]a?), Epika 7. jh. (== *apika PB.VIH 
459), Belesar 638, 656 (=*valisa-harjis Grimm GÖS' 429), 
Eigcani (westgotenkönig Inscr. Hisp. Chr. n. 172 a. 691) 
= Egicani = *agika; er wUrde; bereits dem 6. jh. ange- 
hören, wenn Eila, Ella a. 589 Conc. Tolet 3 = Agila 
ist (Stark 49.) Dagegen erscheint das ostgot. Ediulf 
Jord. 77, 2 (3. jh., nach PB VIII 418 == *adia-wulfs) nicht 
gut überliefert, wie auch Mommsen in seiner ausgäbe 
hier manche bedenken hat. 



— 13 — 

Das e in Edolfus Etdolfos (hdss. des F. J.) »-= Atha- 
vulfs wird vielleicht auf rom. einfluss beruhen, wenn 
nicht schreiberversehen vorliegen; nicht auf solche weise 
lässt sich Ergobadus 683 neben Argibad 681 (= *arga 
— ball)8 PB VIII 456) erklären. 

Die germ. worte im span. zeigen keine spur 
des Umlauts, sind also bereits vor dem ende des 7. jh. 
dem span. Sprachschatz einverleibt worden. 

sp. haraldo, araldo = *harjawalds; daneben freilich 
heraldo, das sich aus dem gesetz der unbetonten anlaut- 
silbe erklären lassen wird. Lehnwort aus dem frz. kann 
es nicht sein, da es sonst *heralte lauten mttsste. 

Ein sehr häufiger term, der span. rechtssprache 
ist sayon, bereits in alten Urkunden vielfach belegt zu 
'"sagja (Grimm RA. 765). Hierher auch ayo „hofmeister" 
= *hagjo „pfleger". 

Hierher auch die sippe albergar etc., nach E. W. I 
zu *hariberga ; nach Th. Braune, GZ X 262 fiF. = *adal- 
berga, ohne dass die notwendigkeit dieser ändorung 
überzeugend nachgewiesen wäre. 

Wahrscheinlich aus dem frz. entlehnt (wegen des 
anslants) ist arenque, das «freilich schon Rz. 1086 sich 
findet;*) davon abgeleitet ist arencado „dürr" (cf. auch 
p. .) 

lesna, alesna „ahle^^ kann von ahd. alansa nicht 
abgeleitet werden. Die rom. formen weisen auf alesna 
(cf. Dief. Gloss. lat. germ.). Das got. suffix-sna (got. 
fila-sna, hlaiva-sna cf. Leo Meyer got. spr. § 184) lässt 
ein '^'ala-sna vermuten. Konnte sich unter Wirkung des 
accentgesetzes ein alesna bilden? 

*) Das wort kann, wie auch Th Braune 1. c. p. 270 ft. be- 
merkt, mit halec nichts zu thun haben. Die dort gegebene ety- 
molofcic = barings ,,der in massen schwimmende fisch** ist bereits 
ausführlich begründet von Schieiden „das salz" p. 51 fF. (1875)' 



— 14 — 

Sp. tejon ^ydacbs'' setzt wie die anderen rom. sprachen 
^taxonem voraus. Der Ursprung des wertes ist dunkel. 
Ob wir mit Bacmeister kelt. briefe p. 42 einen kelto- 
germ. wortstamm tax- annehmen oder mit Rönsch GZ 
I 420 die herkunft des wortes im hebräischen suchen, 
jedenfalls muss es sich bereits früh in das lat. verpflanzt 
haben. Die lang, namen Tasuni (a. 750) Taso (a.752?), 
welche E. Meyer p. 305 nicht erklären kann, werden 
wohl ebenfalls hierher zu rechnen sein. 

Nach EW. I vogare ist sp. hoga hogar aus ahd. wa- 
göU; dem ein gleichlautendes germ. wort entsprechen 
wUrde, abzuleiten. Es wäre dann dieser wandel von 
a > zu beurtheilen, wie lat. vacare > vlg. lat. *vocare 
[cf. vocatio = vacatip CJL I 198 Corssen II 667J ; mit ahd. 
wäc > nhd. woge ist das aus dem gründe nicht zu ver- 
gleichen, weil hier ä > 6 ganz spontan eintritt (cf. Paul 
mhd. gr. ' § 27 J, ebenso auch ae. ä < ne. o. 

e. 

Lat. e = vlg. lat. e wird im span. in der tonsilbe 
ie, in der unbetonten anlautsilbe tritt vielfach a ein, 
ohne dass hierfür sich bestimmte gründe finden lassen^). 

Germ, e ist bekanntlich im got. überall zu i ge- 
worden, während die übrigen germ. dial. nur in be- 
stimmten fällen diesen wandel eintreten lassen. Die 
Namen gewähren kein urteil darüber, ob jener wandel 
sich vielleicht nur auf das wulfilanische gotisch be- 
schränkte. Von lehnworten sind uns nur zwei hierher 
gehörige erhalten, in welchen sich e vor doppelconso- 
nanz findet, so dass nur das span. uns über die qualität 
des betreffenden vocals belehren kann. Es sind yefmo 
PC 766 (elmo Alx. 544) = germ. *helma, got. hilms, und 

*) Man beachte, dass bereits der aus Bilbilis- in Spanien 
stammende Martial jantare für das sonst übliche jentare schreibt. 



— 15 — 

ßeltro^=^ *feltr-ae. feit (die epenthese des r ist gemeinrom., 
muss also wohl schon dem germ. etymon angehören). 
Bsp. sagr. 37,308: quinque feltros (a. 818?); galea: 
helmus Reich. Gloss. 928 (ed. Förster). Es ist also wohl 
wahrscheinlich, dass auch dem got. ein e eigen war, 
wenn auch span. ie zuweilen auf ein i zurück geht. 

Dem ie in betonter Sylbe entspricht e, a in 
unbetonter, bo elmete, almete neben yelmo.*) filtrar zu 
fieltro scheint lehnwort aus dem frz. (?). 

Ilff. €9 f« 

ist im vlg. lat. e, im span. meist e, mit ausnähme 
einiger ie, wo Cornu Rom. XIII 290 einfluss der labialen. 
Gröber andere Ursachen zu erkennen glaubt. In der 
unbetonten anlautssilbe tritt vor r und 1 zu- 
weilen a ein. 

Wir müssen hi^r germ. i allein behandeln, da germ. 
e einen besonderen weg geht. Die sogenannte „brech- 
ung" des germ. i vor r(resp, h) ist zwar im wandal. 
nicht nachzuweisen, da sich belege nicht finden (cf. Wrede 
p. 92) ; dagegen schreibt sowohl das fränk. als auch das 
lang. e. cf. bei Walt. p. 20 Echa-rigo, Ermen-ardus u. a., 
lang. Ermi-frid-cald-caus u. a; auch für das bürg, fehlen 
belege. Die got. sind ziemlich zahlreich. Ermenfred 
652, Hermefredus 656, Ermanaricus 4. jh. (daneben 
Hermenerig Jord. 77,2), Ermenigild 6.— 10. jh., Ermulf 
633 u. a. zu *airma *airmana**), ausserdem Erpa-mara 1. 
jh. (=*airpa-meraPB VIII. 436). Bei dieser auch in an- 



*) almllla „knappes leibchen'^ etc. kann wegen seiner bedeu- 
tung nicht hierher gerechnet werden; es ist =*= *armicula; cf. 
auch Baist Korn. Forsch. I 132 anm. 

**) Manche scheinbar hierher gehörige namen können auch 
zu keli. irm, erm gerechnet werden, cf. Stark kosenamen d. Germ, 
p. 43 anm. 1. 



— le- 
deren fällen belegten annähernng des i an das e kann 
es nicht verwandern, dass die roman. Schreiber vielfach 
ein e setzen , wo die german. lantlehre ein i erwarten 
lässt. Hierbei scheint urgerm. i =idg. i ebenso be- 
handelt zu sein wie urgerm. i = idg. e. 

St. fri{)us : wgot. Argefredns 656, wand. Fridas, langob. 
nennt sich ein „indignns monachus^S der notar im 
kloster Farfa war, 761 : Raginfridus, in demselben jähre 
Raganfredus, ebenso 4 jähre nachher, und Ragamfredus 
(a. 767) wird wohl nur ein Schreibfehler für Raganfredus 
sein. Die Schwankungen im fränk. stellt Waltem. p. 48 
zusammen, der bemerkt hat, dass im 7. jh. nur -frid sich 
findet, während im 8. jh. -fred überwiegt. 

st. sigisa — (nur als erstes compositionsglied) : 
wgot. Sesuldus 681, 688, Sisuld 633, Sisuldus 683, 688, 
bürg. Segisvuldus Sigisvuldus (Wack. p. 354, 369), Se- 
gismundus neben Sigismundus, Sigisricus (Wack. p. 369), 
ebenso Rimismundus (rex Suavorum in Hisp.) Jord. 117, 
22 neben Remismundus Isid. bist. Goth. 33. 

st hildja — : Ildebad 6. jh. und Heldebadus Jord. 
50, 15, wand. Hildrix, daneben auch Heldericus, bürg. 
Hildegernus Wack. p. 345 = Heldigernus Wack. p. 369, 
ähnlich im lang. u. fränk. Dem einfluss des 1 wird es 
zuzuschreiben sein, wenn sich hier mehrfach in der un- 
betonten anlautsilbe a findet. So werden wir westg. 
Aldericus nach PB VIII 455 als *hildi-reiks erklären, 
ebenso lang. Aldefrid (a. 766) Aldoinus*(a. 752), das 
Meyer p. 277 aus Adal — wohl in anlehnung an Wack. 
p. 357, erklärt, hierher ziehen. Ebenso ist nach Stark 
p. 47 Alfonsus -- Ildephonsus (*hildifuns). Doch scheint 
hier vielfach eine Vermischung mit Adephonsus = *aj3a- 
funs eingetreten zu sein, welches nach bekannten gesetz 
d in 1 wandelte, übrigens sich auch mit Adelphonsus 
mischte (cf. zb. Cortes de los reinos de Leon y Castilla 



— 17 — 

= CLC I 25 a. 1050). 

Ist Fadrique (Alf. XI str. 486) = *fri|)u-reiks vielleicht 
durch die mittelstufen *Ferdrique Fardrique zu erklären ? 
(cf.fries. Feddo aus *Ferdo-Fredo Stark p. 27.) 

Die ins span. eingedrungenen germ. lehnwörter zei- 
gen den in Urkunden nur sporadisch auftretenden wandel 
von i zu e consequent: sm{= germ. *sin), venda (germ. 
*binda)*), teta tetilla zu germ. *tita , wohl auch fresco zu 
*frisc (Walt p. 73 fresk). 

In der unbetonten anlautssilbefindet sich 
a in escarnir, das nebst vielen ableitungen bereits im 
aspan. vielfach belegt ist, zu germ. *skirn, ebenso escaUno 
= skillings, das aber, wie der auslaut zeigt, erst in mo- 
derner zeit ins spanische eingedrungen sein kann, wohl 
aus frz. escalin. Noch mehr das gepräge der späten 
einwanderung trägt das gleichbedeutende eschelin. 

Sollte hierher auch ganar zu rechnen sein -= germ.- 
got. vinnan „pati", das nach L. Meyer got. spr. § 386 
zu skr. van „begehren'* gehört, andererseits auch mit 
altn. vinna „laborare, acquirere", (Grimm Gr. 11 34) nhd. 
gewinnen verwandt ist, also die bedeutungen vereinigt, 
welche dem span. ganar „gewinnen, gana „begierde" 
zukommen ? Formell könnte das natürlich nur so erklärt 
werden, dass gana von ganar abgeleitet ist, da ja sonst 
*gena zu erwarten wäre. Aber auch ganar will sich 
nicht völlig dem der bedeutung nach durchaus passenden 
etymon fügen. Denn a findet sich sonst nur vor 1 und 
r ; man vergleiche noch senescal {== siniskalks), für welches 
zwar mehrere hdss. des FJ. sinescal, keine sanescal 
oder dgl. bietet. Hierher ist noch zu rechnen espedo, 



*) fr. bände will Walt. p. 95 aus frk. bandi ableiten, woran 
ihn schon das bei EW 1 benda erwähnte afr. bender hätte hin- 
dern sollen, a <;^ e erklart sich hier natürl. durch den einfl. der nas. 

2 



— 18 — 

das sich mit dem im Reich. Oloss I 474 belegten spidus 
ferreus gat vereinigen lässf, während espito zu sades: 
spites Reich. Oloss. II 95 zn setzen ist. Daneben findet 
sich auch espiedo = ital. spiedo, das EW. I zu. sper 
ziehen wollte. Es sind hier jedenfalls zwei verschiedene 
germ. werte „spiess'' und „spitze" frühzeitig durch einan- 
der geworfen. 

Wir erwähnen noch sp. trepar „klettern'', das viel- 
leicht zu germ. *trip- gehört (cf. got. trimpan „treten" 
zu *trap- gr. Tganstv „Weintrauben keltern'' Leo Meyer 
got. spr. § 84). 

o, ti. 

Einem klass. lat. o, ü entspricht bekanntlich vlg. 
lat. 0, klass. lat. ö==vlg. lat. o. Letzteres wird im span. 
in der tonsilbe ue, in unbet. Silbe o, ersteres stellt 
sich gewöhnlich auch in der tonsilbe als o dar; doch 
finden sich auch hier jene merkwürdigen „ausweichuugen" 
in ue, analog dem ie = e* 

Germ, o und germ. u sind im got. wandal. 
(Wrede p. 94), wfränk. (Walt. p. 4>i f.) zusammenge- 
fallen. Dagegen zeigt das bürg. (Wack. 368 fif.) und 
das lang. (Meyer 262) schwanken zwischen o und U; 
wobei Meyer an schrei bereinfluss denkt, Wackernagel 
darin ein merkmal sieht, ,.wie die ganze spräche selbst 
in einer Schwächung und brechung des über- und Unter- 
gangs begriflfen war". 

Die Urkunden zeigen in allen diesen dialekten die- 
selbe eigentümlichkeit; dass im allgemeinen u überwiegt, 
sich erst bei zunehmendem einfluss des rom. einstellt, 
wenn auch u durch eine art gelehrter reaction sich 
noch in späten lateinischen Urkunden findet. So findet 
sich Raymundus (Marca hisp. n. 78 a. 942), Remundus 
(CLC. I 31 a. 1H5) neben span. Remond zb. PC. 975 



^^ 

— 19 - 

998, 3002; Gundisalvus (CLC. I 31 a. 1115), aber der 
fromme hymnendichter, dessen werke eine wesentliche 
quelle unserer altspan. Studien bilden, nennt sieb Oon- 
zalvo de Berceo Milag. 2.'*') Manebe namenoomponenten 
zeigen fast nur n, bei manchen Überwiegt völlig das o, 
ohne dass wir hier etwas anderes als das walten des 
Zufalls erblicken können ; so heisst es Hunimundus (Jord. 
129, 1)**) Rimismundus (Jord, 117, 22), Thursimund 
Thorismundns (Jord. 122, 11 u. ö. Mttllenhoff im index 
sieht hier entstellung aus-möd); Tructemundus 681. 683 
(= *drauhti-mund8 Bezz. 12), für das wfränk. cf. Walt, 
p. 49; im lang, findet sich Gairemond (a. 730) = Gairi- 
mundus (a. 746); dagegen -fonsns = -'*'fnns in Adefons 
6. jh. (cf. PB. Vlll 456), Adefonsus (IHC. n. 247. 252. 
253 = a. 778. 874. 875), lUefonsus Esp. sagr. 26, 449 
(a. 1039); nur das lang, hat eiu wohl hierher gehöriges 
Ärefusus (a. 743), und im span. findet sich Fnnsinns Esp. 
sagr. 18, 339 (a. 969 cf. darüber Stark p. 60 anm. 2). 
Zu diesem ergebnis, demzufolge im. altgerm. 
bereits überall u für urspr. o eingetreten war und 
nur eine rom. Schreibervariation zu sein scheint, 
bilden einen merkwürdigen gegensatz einige span. 
lehnwortc, welche ein o voraussetzen. Dies sind hutna 
PC. 994 = *hosa, wie' auch Walt. p. 101 richtig an- 
setzt wegen afr. hoese (wie konnte er das, da ja nach 
seiner darstellung p. 48 f. 59 dem wfränk. ein o fehlt), 

*) Berceo erwähnt auch Ferran Gonzalvez Mill. 895; sonst 
wird der name gewöhnlich mit vocalisiertem v geschrieben : zb. 
Gon^alo PC 2268, 3008, Gonzalez PC. 2286 Go^alez 3291, Gon- 
sales Alf. XI 820. 

**) Den ersten teil dieses namens erklärt Wrede p. 64 mit 
Müllenh. HZ XIII 576 aus altn. hünn „catulus, junger bursch u. 
dergl." Sollte nicht die herleitung J. Kremers PB VIII 412 = gr. 
Y.v^io(; wegen der bedeutung den vorzug verdienen? 

2* 



— 20 — 

ruaca zu germ. *rokk- (cf. Baist Rom. forsch. I 133i 
espuela zu *spor-*). 

Id der unbetonten silbe steht o: So findet sich neben 
espuela im asp. : espolon PC. 2693, espolonada PC. 2383, 
espolonar PC. 705, espolonear PC. 596, espolear PC. 233, 
daneben esporonada Älx. 598. 

Für germ. ü aber findet sich auch in der 
tonsilbe nur o, resp. u, das vielleicht auf späteres 
eindringen hinweist, so esrote aus germ. *skut; sonst ist 
kein sicheres wort aus älterer zeit mit o bekannt; mehr 
hat das frz., wie die liste bei Walt. p. 78 zeigt. Aus 
diesem entlehnt scheint turba ,,torf', während biirgo 
„Vorstadt" den eindruck des späten eindringlings macht, 
trotzdem das wort bereits frtlli bei lat. schriftsiellerD 
sich findet, doch nur in der bedeutung ;,burg, casteH". 
Ein lehnwort aus dem begriflflich damit verwandten frz. 
bourg „kleine Stadt" hätte wohl *burque, in späterer zeit 
*bur gelautet; doch ist mir mit meinen lexicalischeii 
mittein nicht möglich zu bestimmen, ob das wort nicht 
völlig gelehrt ist. Zu beachten ist freilich, dass die be 
kannte span. Stadt Burgos, nicht Borges**) lautet^ dm 
PC 17 von „burgeses e burgesas" gesprochen wird, so 
dass das wort wohl beurteilt werden könnte wie jene 
span. lat. herkunft, lluvia, yugo u. dgl, bei denen frei 
lieh ein palatall. von einfluss gewesen sein mag. 

Das ergebniss dieser Untersuchung aber ist, dass in 
den verschiedenen altgerm. dial. trotz des schein 
baren Zusammenfalls von germ. o und gern), n 
in einen einheitlichen lautverschiedenheiten 
des klangs je nach der herkunft des lautes 



*) Walt. p. 100 setzt hier frk. *spuro an, weil er span. espuela. 
wo sich o in der tonsilbe fand, uuberücksichtigt gelassen. 

**) Borges una glbdat estranna erwähnt BC Milag. 352. 353. 



-r- 21 -^ 

fortbestanden haben. Dem romanen muss got. 
wand, wfränk. u = germ. o ähnlich geklungen haben 
wie sein o. Warum aber der germane u flir o setzte, 
da doch u dem o sehr fern liegt und höchstens mit o 
nahe verv^andtschaft zeigt, weiss ich nicht. 

€lerm. e 

zeigt in seiner späteren entwickelung die schroffsten 
unterschiede in den einzelnen dialekten. In der älteren 
zeit, welche für unsere Untersuchung in betracht kommt, 
bat sich aber noch in den meisten dial. e erhalten. Es 
ist möglich, dass durch genaue Scheidung sich gerade 
hier feinere unterschiede ergeben (cf. Wrede p. 92 f ) 
Wandal. und westgot. gehen übrigens auch hier völlig 
gleich vor. 

Urspr. e hat sich fast durchweg erhalten in Vera 
(ahd. wära Bezz. 12) und dem hierher gehörigen namen 
Vermudo pg. Vermuiz, in span. urkd. Vermudus, Vere- 
mudus, Beremudns; von inschriftl. Zeugnissen stehen sich 
Veremudo (JHC. n. 135 a. 485) und Virmundus (JHC 
n. 240 a. 986) gegenüber. Im wfränk. hat sich e bis 
gegen das ende des 7. jh. gehalten (Walt. p. 49); das 
stimmt ungefähr auch zu dem von Bremer PB XI p. 7 
ff. gefundenen resultat, dass in den fränk. namen im 
6. — 7. jh. das ä auftritt. Dass Bremer hierbei die fränk. 
namen ohne genauere sichtung aufgeführt hat, ist natür- 
lich für unseren zweck ohne belang. Im bürg, findet sich 
Widemeris neben Widemarus, ebenso Wilemeres Winde- 
meres (a. 547) neben Gundomärus u. a. auf derselben 
inschrift, ein zeichen, dass hier der wandel schon früher 
eintrat. Die langob. haben in ihren aus dem 7. jh. 
stammenden namen das ä bereits überall. Das a findet 
sich auch in einigen got. namen. Ein ostgot. Erpa-mara 
1. jh. erklärt J. Kremer durch *airpa-mera (PB VIII 



^ 22 -, 

436); in den westgot. concilienacten findet sich Salami- 
rns (=■ sela-mers Bezz. li) a. 68 1^ Wadamirns a 683 
(=*Veda-mers Dietr. p. 63); einen Vadamerca (daneben 
Vadamarca) erwähnt Jord. 122, 6, ebenso Radagaisus 
41, 19; zweifelhafter mag es schon erscheinen, wenn 
Dietrich p. 62 den westg. Tayo 652. 655 durch *tevja 
y^schaarenfiihrer^' erklärt (ebenso Bezz. p 11); dagegen 
wird der in span. Urkunden und Schriftstellern (ib. Conde 
Lucanor ed. Gayangos p. 383 b) häufig vorkommende 
name Snarius. Suarez zu got. swers zu stellen sein, auf 
welches noch deutlicher die nebenform Suero hinweist. 
Die erklärung in RG V 309 Suero aus Suarius ist natür- 
lich nicht richtig. 

Auch das wandal. scheint in seinem Wisimar einen 
hierher gehörigen namen zu besitzen , da die erklärang 
Wredes p. 47 f. ihrem Urheber selbst nicht ganz geheuer 
erscheint. 

Dieser wandel des ^ zu a lässt auf eine offene 
ausspräche desselben schliessen ; diese ausspräche muss 
auch dem got. oder vielleicht nur gewissen dialekten 
desselben eigen gewesen sein Die lehnworte sind leider 
zu unsicher, als dass wir daraus sichere schlUsse ziehen 
könnten. 

Als ein solches lehnwort bezeichnet £W 11 b aleve 
,,treulos'', das wegen seiner Jurist, bedeutung sich schon 
früh in lat. Urkunden findet. Da aber ]§vjan, von dem 
Diez es ableitet, „verraten^^ bedeutet, so müsste aleve 
gerade die entgegengesetzte bedeutung haben, ist also 
immerhin bedenklich. 

Zu got. gatSvjan „anordnen'^ zieht £W 11 b span. 
pg. cUaviar „schmücken'^ Wenn auch die bedeutung zu 
passen scheint, kann es formell doch nicht hierher ge- 
zogen werden, während got. taujan, dem wohl eine 
nebenform '''tavian entsprach, geeigneter ist. 



Wir gehen zn einem wort Ilber, das in mehreren 
rom. sprachen verschieden behandelt, leider aber im 
span. nicht ttberliefert ist, nämlich ital. ftara-=chw.bara: 
fr. büre. Dort liegt vielleicht lang: *bfira zn gründe, 
während daa franz. ein fränk. *bgra Toraaesetzt, wie anch 
Walt. p. 85 richtig ansetzt. Wie konnte ihm dann aber 
entgehen, dass fr. arroi, conroi, das er nach £W I redo 
zn einem frk. *r@d p. 82 zieht, *rie ergeben mnsste? 
Das wort spricht anch sonst gegen diese herleitnng, nnd 
Thnrneysens etymologie Keltorom. p. 76 ans kelt. TSdi 
erhält dadnrch eine begrUndang mehr. Wie erklärt sich 
aber die weite Verbreitung des kelt. wortes? 

Gegen diese annähme eines offenen e in den älte- 
ren germ. sprachen scheint nnn der wandel von got. 
wand, e >T namentlich in den compositionsgliedern -rSd 
und -m€r zu sprechen. Schon iu gewissen hdss. der 
got. bibelübersetzung findet sich fltr € ein ei, anch i, 
was W. Franz, die lat. rom. elem. im ahd. p. 41 zu der 
annähme veranlasste, dass das got, ein e* gehabt habe. 
Der vrandel von e > i ist ja auch sonst nicht unbekannt 
cf. tat. decrevi: crimen J. Schmidt Vocal. 11 365, ebenso 
im neugr. ir. nnd in jüngeren slav. dial ; so entspricht 
dem krimgot. mine scblipen mycha bei Wnifila mena, 
slepan, meki (cf Brugman Tecbm. zts. I 235). Aber 
hier stehen sich zwei verschiedene artikulations- 
weisen gegenüber, welche nur durch dialekt. abweichung 
erklärt werden können. Noch in die spätere zeit hat 
sich dieser hang erhalten. Smaragd, der fern von got. 
landen weilte uad nicht mehr die alten got. namen ver- 
stand, erwähnt in seinem onomagtikon 816 Altimir, Gil- 
timir etc. ; dieses -mir Übersetzt er mit mihi ! 

In die roman. sprachen hat sich keine spur dieser 
ausspräche gerettet. 



r^ 24 -. 

7 

giebt zn besonderen bemerknngen keinen anlass. Wie 
es sich in den rom. sprachen überall unversehrt erhalten 
hat; so ist es auch im germ. geblieben. Die germ. lehn- 
Worte im span. haben natürlich ebenfalls Oberall T; brida 
„zäum*' = germ. brfda, giga „geige", gris „grau", grima 
„grausen** (=^germ. *grima ae. grima ,.gespenst"), lista 
„streifen*', rima „reim" (für das Walt. p. 100 im gegen- 
satz zu ahd. rim ein frk. und wohl auch germ. '''rtma 
ansetzt); vielleicht auch haben die Spanier den namen 
der eibe sp. iva^ ebenso wie die übrigen romanen von 
den germaoen entlehnt, wiewohl das unwahrscheinlich 
ist. Es findet sich sonst kaum ein gemeinrom. pflanzen- 
name germ. herkunft aus älterer zeit; man muss erwägen, 
dass die eibe, welche für die germanen freilich ein mit 
seltsamen sagen umwobener bäum war und darum wohl 
auch bei ihnen in hoher achtung stand, den Germanen 
und Kelten gemeinsam war (Bacmeister Kelt. Br. p. 46) ; 
auch in slaw. sprachen findet sich der name cf. Scbra- 
der, sprachvergleichg. u. urgesch. p. 86, besonders aber 
Hehn^ p. 459 f., so dass er auch auf anderem wege ein- 
gedrungen sein kann. 

Germ, ö 

wandelt sich, jener tendenz entsprechend, derzufolge e 
>i ward, zuweilen in ö; so heisst es auf der Ver- 
kaufsurkunde von Arezzo Alamud, so findet sich bei 
Jord. Beremud, woraus vielleicht Beremundus ; dem ent- 
spricht wand. Blumarit, Gamuth, wfränk. Kudebodes 
(Walt. p. 33, nicht erwähnt p. 50 unter 6), lang. Ruberto 
(a. 715) neben Rodpert (a. 753), für das bürg, scheinen 
belege zu fehlen, die in der älteren zeit in allen dial. 
nicht eben zahlreich sind. Wie dieser wandel zn er- 
kläre^ ist, scheint fraglich. Hier mit E'ranz p. 49 einfluss 



^ 25 --« 

des roman. anzonehmen; ist immerhin bedenklich, da 
zwar das frz. schon seit früher zeit den wandet ö > n 
kennt, während er im span. nnd ital. auf einige wenige 
fälle beschränkt ist, die zt. dem vlg. lat. angehören. 
Es mag dieser wandel also wohl eher einer im germ. 
dial. sich findenden ,;neignng zur Verengung der bei der 
bervorbringung des lautes wirkenden mundteile/^ (Bre- 
mer PB XI p. 11) zuzuschreiben sein. 

Die lehnworte aber setzen ein 6 voraus, 
wie es Franz p. 49 ebenfalls annimmt. So weist ital. 
»puola spola „Weberschiffchen^^, dem im span. espoUn 
entspricht (o in unbet. silbe!) auf ^spöla, vielleicht auch 
afr. fuerre auf wfränk. fodar (Walt p. 77); doch ist 
bereits dieses wort in Vieler hinsieht bedenklich; it 
fodero erklärt sich zwar leicht daraus, aber span. ferro 
^ill weder mit vocal noch mit cons. passen. Was zu- 
nächst den consonanten anbelangt, so fällt in lat. d + cons. 
gewöhnlich das d cf. cuarenta (quadraginta), cadira 
(cathedra), das Gröber Wölffl- Arch. I 217 als fremd- 
wort betrachtet, warum? lat. t + r aber wird dr zb. 
piedra, padrone. Da für die zeit der germ. Invasion bereits 
der wandel in dr als vollzogen anzusehen ist so musste 
got. födr. zu sp. *fodro werden. Ausserdem aber erwarten 
v(ir analog dem ital. spuola hier ^fuedro. Entlehnung 
aus dem frz. aus jener frühen zeit, da sich o noch nicht 
diphthongiert hatte, anzunehmen, ist schon aus dem 
grande unmöglich, weil in derselben zeit das frz. auch 
noch sein *dr-, mindestens noch -dr- besass. Das sp. 
wort ist sicher entlehnt, vielleicht aus dem späteren 
fr. fenrre, wobei das span. dem ö-laut sein o „substitu- 
ierte.'^ lieber forraje bemerkt Fascual Rev. Esp. 19, 
527: „para qu6 forraje, si es mejor decir paja? pregunta 
Don Diego Hurtado de Mendoza, quien le considera 



— 26 — 

italianismo y en tal concepto, reprende su uso al capi- 
tan Pedro de SalazaT; ein justizia por cierto^ pues ya 
le habia usado D. Luis de Avila Znüiga en la Guerra 
de Alemania pag. 27 y 44." — Noch bedenklicher ist 
des von Waltem. p. 77 hierher gestellte, dem Span, nicht 
angehörende, nfr. leurre = afr, loirre? Abgesehen von 
der abweichenden entwickelung des ital.logoro, welche 
sich allenfalls erklären lässt, müssen auch die älteren 
frz. und prov* formen auffallen. Dazu kommt, dass allen 
älteren germ. dial. das wort fehlt — denn „liederlich" = 
ae. lyl)re ist erst durch volksetymol. an luder angeglichen 
worden cf. Kluge etym. wtb. * p. 206, 210 — lautL 
Schlüsse lassen sich also aus dem worte einstweilen 
nicht ziehen. — fr. freux = ahd. hruoch hat Walt, wohl 
mit recht unberücksichtigt gelassen, orgueil = span. 
orgullo kann schon aus dem gründe nicht zu dem pro- 
blematischen *urguoli gerechnet werden, weil dem ur- im 
got., älteren frk. etc. us- entsprechen würde. Auch der 
vocalismus passt nicht recht. Die rom. formen weisen 
auf ein vlg. lat, *örgölium (cf. auch W. Förster R. Stud. 
111 372 IV 59.) So bleibt von den 4 belegen, welche 
Franz p. 50 für germ. 6 anführt, keiner ganz sicher; 
da aber für ital. spuola schwerlich die erklärung in 
RG P 308 richtig ist, wonach in dem uo das ahd üo 
zu sehen ist — denn die diphthonge sind durch die 
verschiedene betonung scharf gesondert — so würde dieses 
eine ital. beispiel für die annähme von germ. o genügen. 

Noch ein span. wort wäre nach EW II b hier zu 
behandeln, sp. lua, auch Inva (nicht blos im pg.) 
„handschuh", vom got. löfa „flache band". Hier passt 
weder die bedeutung trotz engl, glove noch die form, 
sp. -V- =germ. -f-, sp. u = o? ? 

sp. tomavy nach EW. 11 b zu alts. tömian ,>ledig 
machen", also wohl germ. st. *tom — (oder *taum?) 
passt wegen der bedeutung nicht recht; diese etymologie 



— 27 -T 

ist aber immerhin der von ebensoviel phantasie als Unkennt- 
nis der rom. lautlehre zeagenden herleitang vorzuziehen; 
welche noch a. 1883 Settegast Rom. Forsch.! 250 den stau- 
nenden romanisten vorlegte: mutuare *mutvare ^mötvare 
^luotar tomar! 

ü. 

Da u sich im span. in der tonsilbe und auch vor 
dem ton fast überall unverändert erhält, (u > o in der 
unbetonten anlautssilbe bei einigen worten bedarf noch 
der näheren Untersuchung) und ebenso germ. ü wenig- 
stens in den älteren germ. dialekten keinerlei änderungen 
unterliegt, so bleibt es natürlich auch in den lehn- 
wörtern gewöhnlich. 6rwno = germ. *brün, in vor- 
toniger Silbe bruüir brofiir*); bueo trabuco (zb. BC. 
Dom. 480) zu germ. buk- cf. auch Kluge etym. wb. * p. 
20 SV. bauchen, adrunar „erraten" (BC. Duel. 42) zu 
germ. *rüna?, escuma = got. sküma. Hierher scheint 
auch arruf ar (Rz. 1383) zu gehören zu germ. *rüf-? Mit 
„raufen'^ kann es aus dem gründe nichts zu thun haben, 
weil dieses ein germ. *raupjan voraussetzt (cf. Kluge s. 
V.); nach Baist R. Forsch. 1 109 scheint „kräuseln" die 
grundbedeutung von ruf- zu sein. 

ai. 

6 erm. ai hat sich in mehreren germ. dialekten in 
e i gewandelt, einen diphtbongen, dessen erster bestand- 
teil zunächst wohl e gewesen ist. Dieser Übergang hat 
sich am frühesten im wand, vollzogen, wo er nach Wrede 
95 bereits im 5. jh. auftritt. Es ist dies die einzige 
dial. erscheinung, welche sich im wgot. nicht so früh 
erweisen lässt. Doch man erwäge das eils==hail8 im 
got. hexameter (a. 493 ?) ; aber gewöhnlich -ai- : Gail- 
svindis im 6. jh., während das wand, auf authent. münzen 



*) Ist die mouillirang schon der älteren zeit angehörig? 
Alex, hat brunidas str. 818 neben bronida str. iai2. 



^ 28 -^ 

Geilamir hat; leider fehlen im wand, belege für das 2. 
compositionsglied, wo westg. Gisaleicus bereits im 6. jh.; 
allzu gross wird also auch hier der unterschied nicht 
gewesen sein. Im ahd., auch im fränk. erhält sich der 
diphthong bis ins 8 jh. ; das bürg, hat in seinen gering- 
fügigen resten ai, daneben ein e, das Wack. p. 361 f. 
auf einfluss der roman. Schreiber zurückfuhrt. Das lang, 
hat ebenfalls in der älteren zeit das ai fast durchweg 
bewahrt. Daraus geht hervor, dass in den hierher ge- 
hörigen lehnwörtern aus älterer zeit das ai noch 
gewahrt sein musste. So ist es in der that. Nun besass 
aber um die zeit, da jene worte eindrangen, das rom. 
das urspr. lat. ai schon lange nicht mehr; dieses 
hatte sich durch ae in e schon im vulgärlat. gewandelt. 
Auch das in einigen rom. sprachen secundär aus a 
+ I-elem. entwickelte ai muss sich wenigstens im 
span. schon weiter entwickelt und mindestens den 
lautwert ei gehabt haben, wie das heutige port; dass 
es bereits' im 8. jh. zu e geworden , ersehen wir ans 
urkundlichen belegen ('zb. freznedo =- *fraxinetum a. 780 
cf. R6P355); sonst wäre nicht zu begreifen , warum 
dieses ältere ai heute zu e geworden ist, während die 
germ. lehnworte bis auf den heutigen tag in der beton-^ 
ten Silbe das ai gewahrt haben; in der unbetonten silbe 
trat dafür a ein. Leider sind wir hier für das span. 
auf ein einziges beispiel in der lonsilbe beschränkt, das 
aber zweifellos ist: sp. Jaido zu germ *lail), hiervon 
abgeleitet deslaydar „verunstalten'' FJ. 109a. Dagegen 
bedürfen die anderen beispiele der strengen kritik. sp. 
guayo erklärt sich am besten durch germ. *waj — (cf. 
got. waja- in Zusammenstellungen); rada „rheede^^ ein 
spät eingeführter term. mar. ist von Kluge wohl mit 
recht zum engl, gezogen worden cf. me. rade, so dass 



— 29 - 

es im späteren mittelalter eingewandert wäre; raza 
„strich" gehört nach Baist Rom, Forsch 1 108 zu radius. 

sp. airon (un texto del siglo X trae aironem Rev. Esp 
20, 79, wo?) zu germ. *haigir, lagotear „schmeicheln" 
zu germ. *laig— „lecken" (?), Jastar ,J^r einen anderen 
zahlen" zu germ. *lai8t — (got. lalstjan heisst nur „fol- 
gen", ansprechender ist die bedeutung des amnhd. leisten 
,,pracstare", welche also wohl auch dem got. wort zu- 
kam ; formell am besten passt *laistan), ^waiiir „grunzen" 
=^germ. *wainjan „wehklagen", guadafiar „mähen"' = 
germ. *waidanjan ,Jagen*\ das freilich nirgend über- 
liefert, auch in der bedeutung nicht ganz unbedenklich 
ist; aber eine bessere ableitung findet sich nicht. 

Dagegen erregt grosses bedeoken die herleitung 
von abeytar „täuschen"' (Rz. 222. 433; ebenso Alex 360, 
wo Sanchez und Janer im index abeter schreiben, was 
Morel - Fatio Rom. IV 35 mit recht bessert) aus germ. 
*baitan „beitzen" (?) cf. EW. 11c s. v. beter; abgesehen 
von der bedeutung , welche durchaus nicht anstandslos 
ist, passt die form nicht: germ. ^baitan musste im span. 
zu batar werden. 

Im frz. ist dieses germ. ai in der betonten silbe 
ebenso wie das secundär aus a -f J- dement ent- 
wickelte zu e geworden ; hier scheint sich also das se- 
cundäre ai länger gelialten zu haben als im span., wie 
ja auch die altertümliche Orthographie zeigt, welche bis 
auf den heutigen tag das ai bewahrt hat. 

Aus unserer betrachtung geht jedenfalls hervor, 
dass der name des dachses nicht mit den anderen germ. 
Worten in das span. eingedrungen sein kann, da ja germ. 
-ahs-» das ungefähr wie lat. -ax lauten mochte, sich an- 
ders entwickelt haben mttsste. 



- 30 — 



Das lat. aa hat bereits^ wie wir ans der bekannten 
anekdote Über kaiser Vespasian ersehen (cf. Sneton 
Vesp. Vlll 22) schon zn dessen zeit sich in o gewandelt. 
Da aber die rom. sprachen bis auf das ital. als 
grnndlage ein an verlangen, so ist ersichtlich, dass 
jene ausspräche nar dialektisch war. Zur zeit, da die 
germ. lehnworte eindrangen, wurde jedenfalls in 
Frankreich noch au gesprochen, wie sich aus frz. 
chose< causa ergiebt. Die monophthongierung des au 
> vollzog sich erst nach dem wandel vonca->cha, 
und an diesem nehmen die fränk. elementc im frz. 
noch teil. Für das spanische fehlt uns dieser beweis; 
doch da die germ. lehnw. im span. ihr au genau so 
entwickelt haben, wie lat. au, so ist wohl auch hier die 
monophthongierung als noch nicht eingetreten anzu- 
sehen. Ganz sicher ist das keineswegs, da gerade der 
wandel von au < o ein so natürlicher ist, dass er sich 
in den lehnworten später auch selbständig entwickeln 
konnte. 

In den germ. dialekten selbst zeigt sich vielfach 
diese monophthongierung oder wenigstens wandel 
in ao, ou, tritt aber nicht so durchgängig auf wie der 
wandel von ai > ei, der auch keineswegs damit in eine 
parallele gestellt werden darf. Das ahd. erhält noch 
bis ins 9, jh. das au (Braune § 46 anm. l), Walt, fin- 
det für das westfränk. keine belege von o und hält 
ot = aud för jüngere d. h. „ahd." form*). Lang, und 



*) Man sieht schon aus dieser gegenüberstellung des west- 
fränk. und des ahd., wie bedenklich es ibt, diese dialekte, wie 
es Walt, gethan, grundsätzlich zu scheiden. Was Walt, als be- 
sondere dial. unterschiede deswfränk. festgestellt hat, lässt sich 
meist darauf zurückführen, dass er zeitlich getrennte dialekt- 
formen vergleicht, wodurch er grössere unterschiede erhält, als 



— 31 — 

barg stehen ungefähr auf einer stufe , indem hier zwar 
au überwiegt, doch auch o nicht ganz ausgeschlossen 
erscheint. 

Neben au findet sich in einigen namen ao: Äori- 
cus, rex Gothorum Jord 87, 7, Aonulf, führer der West- 
gothen in Arles (a. 426 cf. Dahn, Könige V 73), Diet- 
rich p. 50 erwähnt Aonulphus, bruder des Odovacar 
475. Die annähme Dietrichs 1. c, dass hier romanische 
anifassung des diphth. vorliege, ist durchaus nicht un- 
begründet. In griech. inschr., welche nach grösserer 
genauigkeit strebten, findet sich zuweilen ebenfalls ao 
für au geschrieben (cf Seelmann p. 222 f.); jedenfalls 
scheint der weg von au > 6 im germ. natürlicher über 
ou zu gehen. Man begreift nach allem nicht, wie aus 
noch dazu höchst fraglichen wandal. belegen für ao 
Wrede p. 100 den Stoff zu folgender bemerkung schöpfen 
konnte: „Eins jedoch wäre bei der sonstigen annähme 
eines wandal. ao interessant, wie ei (zugleich die mittel- 
stufe zwischen altem ai und ahd. e) als speciell wand, 
gestalt des got. ai auftrat, so würde sich hier ao (zu- 
gleich die, wenn auch vereinzeltere, mittelstufe zwischen 
altem au und ahd. ö) als speciell wand, gestalt des 
got. au zeigen — gewiss eine bestechende parallele". 



thatsächlich bestehen. Das wfiänk. gehört zu den fränk. dia- 
lekten und hat, wie eine genaue Untersuchung ergiebt, die 
meiste ähnJichkeit mit dem niederfränk., worüber uns Heinzel 
so meisterhaften bericht abstattet. Man wird die fränk. dialekte 
wegen ihrer sonstigen grossen Ähnlichkeit nicht von einander 
sondern können in hochdeutsche und niederdeutsche, weil jene 
einige spuren der sogenannten hd. lautverschiebung aufweisen. 
Ein lautwandel, der in so ungleichem umfange wirkt, wie diese 
lautverschiebung, kann meines erachtens überhaupt nicht gut 
zur Scheidung von dialekten verwertet werden. Solche gruppen* 
bildungen mögen praktischen nutzen haben, aber keinesfalls 
wissenschaftlichen wert. 



— 82 — 

Mehrfach finden sich neben mit an- anlantenden 
namen solche mit e a, so Enredns = Auredas 693 (Bezz 
p. 8. 9X mehrere germ. namen mit en- Enbert^ Euprand 
n. 8. w. ftlhrt Weinhold; got. spr. im dienste d. christent. 
p. 12 anf, einen borg. Ennandns finden wir bei Wack. 
p. 397. Hier liegt schwerlich ein organischer lantwandel 
vor; entweder wirkte, wie Wack. 1. c. bemerkt, die 
analogie der griech. namen mit ea- oder kymr. en = 
altgall. avi- cf. PBVIII 411. 

Von germ. lehnw. im span. sind zu erwähnen: 

sp. bottxr (zb. BC. Dom. 77, Alx. 1988) za germ. 
*bant- (ae. bSatan), galapear zu '^ga- hlaupan, onta za 
haun-, h(ria lonja zu germ. *laubja, robar roberia etc. 
zu *raub-, lozano zu *lau8a-,*) wohl auch escotar (Ez. 
231) zu skauts. 

Auderer art ist blavo == afr. blou, das Walt. p. 80 
mit den übrigen eben erwähnten werten in einer reibe 
aufzählt. Hier liegt *bläv- vor, das im ahd. bläo lautet. 

asp. cosido, das EW 11 c choisir und ebenso der 
allzeit getreue Pascual Rev. Esp. 18,375 erwähnt, findet 
sich nur in der bedeutung „genäht'S wo es natürlich 
anderen Ursprungs ist. 

eu. 

Lat. en hat sich zwar in einigen resten 
noch ziemlich späterhalten; die rom. sprachen 
haben aber nichts davon bewahrt. Von eigen- 
namen gehört hierher Eulalia, die von BG. Millan 95 
und Oria 32 Eolalia genannt wird, sonst aber bei ihm 
Olalia Olalla lantet cf. Mill 116 Oria 27. .36. Dom. 
637 etc.; auch Eoropa Jord. 54,11 = Europa. 

*) In dem span. wort mag ein n- stamm vorliegen, wie er 
sich seeundär aus dem a , -stamm laosa- entwickeln konnte cf. 
PB. VIII 392. 



— 33 — 

Das germ. en wird bekanntlich bei Walfila darch 
in wiedergegeben, die romanen aber schreiben in ge* 
schiohtswerken etc. fast durchgehend eu. Wohl findet 
sich daneben auch in, besonders häufig in Zusammen- 
setzungen mit liuba-, wofür wir einen inschr. beleg haben 
Liuyigildus a. 573 (JHC. n. 76), ebenso lang. Liuprand 
(ä. 752) etc. Die eigennamen in den einzelnen dialekten 
gewähren ein so schwankendes bild, dass weder zeit- 
lich noch räumlich für jetzt sich Scheidungen feststellen 
lassen. An stelle des eu findet sich mehrfach eo; doch 
scheint sich das auf Theoda- und Leova- zu beschränken. 
Dort erklärt es sich durch eine bewusste anlehnung an 
gr. ©CO-, welche wohl schon Theodorich dem Grossen 
vorgeschwebt haben mag. Wenigstens findet sich auf 
münzen bereits eo cf. Mommsens ausg. des Jord. p. 144*) ; 
bei Leovildus u. dgl. scheint eine anlehnung an leo 
nicht unwahrscheinlich. Nennt doch BC. Millan p. 289 
einen ganz gut romanisch aussehenden Leovirgillo^ der 
sich bei näherem zusehen als ^liuba-gilds entpuppt. 

Die hierher gerechneten germ. lehnworte sind 
äusserst zweifelhaft. Am sichersten erscheint das be. 
reits im aspan. häufige esquivar, esquivo==ital. schivare. 
Die bedeutung weist auf ahd. skiuhau; das aber wegen 
des in den verschiedenen roman. sprachen vorhandenen 
V eher ein *skiuwan voraussetzen lässt. Im ahd. findet 
sich w als übergangslaut zwischen zwei vokalen zuwei- 
len (cf. Braune § 110 anm. 2); inwieweit dies in den 
älteren germ. dial. ebenfalls möglich wäre, verdiente wohl 
eine eingehende Untersuchung. 



*) Die anlehnung ging sogar bo weit, dass aus einem, 
Thiuda-bard ein Deodatus wurde (cf. Weise Zts. f. völkerpsych 
1880 p. 223) ; aus Hunjareiks ward Honorius (Andresen d. volks- 
etym. p. 25), und der beiname Flavius, welchen die westg. 
könige seit Recared trugen, ist wahrsch. ^= frauja (Stark 58 anm 2) 

3 



— 34 — 

it. 8p. tregua, pr. Ireva afrz. trine, trero von R6. 
I' 310 hierher gezogen, setzt germ. ♦triwa *tr6wa vor- 
aus, was sich wohl auch mit dem von Kluge s. v. treu 
angenommenen vorgerm. *drewa vereinigen Hesse. 

Das dritte von RG. 1. c. erwähnte wort sp. quüla 
= fr. quille zieht noch Walt. p. 99 mit Diez zu kiol, 
daS| wie er behauptet, die bedeutung ,,kiel'' hat. Hier 
hätte er, wo er „dtsch. i vor einfacher konsonanz" be- 
handelt, zunächst erwägen sollen, dass io doch nicht 
dtsch. i ist, sondern auf germ. eu zurückweist. Das wort 
hat überhaupt nichts mit dem unseren zu thun: es be- 
deutet „schiflF", nicht „kiel'' (cf. Kluge s. v. kiel 2) = 
ahn. kjöll. Dagegen weist altn. kjölr „kiel" auf germ. 
'^'kil cf. amhd. kil; von ^kilja, einer ableitung dieses 
Worts, stammen die romanischen quilla etc. (cf auch 
Müllenhofl' Jahrb. d. Vereins f. ndd. sprachf. 1880 p. 182 f ). 
8elbst quille „kegel", das Walt, unbefangen zu „kegel" 
-." frk. *kigil (?) zieht, ist nicht ganz unbedenklich. Der 
Ursprung des wortes „kegel" ist selbst noch ungewiss 
cf. Kluge s. V. kegel'). Sollte es nicht aus ktl „keil, 
pflock*' entstanden sein? Man erwäge, dass es im ahd. 
chegil in der that diese bedeutung hat, dass nach ! sich 
öfter ein g einschiebt (zb. friger zu fri cf. Braune § ll7) 
im ahd., und wenn auch der wandel von 1 zu e be- 
denklich sein mag, so ist er vielleicht doch noch zu be- 
gründen. Dem sei nun wie immer: frz. quille „kegel" 
kann nicht aus „kegel" entstanden sein, sondern nur 
aus *kUja.'*) 

Hierher ist aber vielleicht zu ziehen britar „brechen" 



*) Zu beachten ist übrigens, dass frz. quille wegen seines 
anlauts nicht zu den frühesten germ. lehnwörtern gerechnet 
werden darf. Möglicherweise liegt entlehnung aus einer anderen 
rora. spr. vor. 



— 35 — 

in e. urkd. bei Fern. Quera 78 (wohl pg. lehn wort 
Gessner leon. dial. p. 35) aas germ. *breatan got. bria- 
tan wegen ae. brSotan altn. briöta. — Dieses etymon 
passt formell unbedingt besser als ae. brittian^ das EW 
II b erwähnt. 



8« 



Consonantismus. 

r^iqiiiclste. 



1 wandelt sich im span. vielfach in d und r; 
sowohl im anlaut als im inlant. Der Übergang von 
lexar in dejar^ den schon Dozy 1869 (Gloss. p.99 s.v. 
alexixas) richtig erkannte^ braucht nicht mit Gornu Rom. 
IX auf „dissimilation" zurückgeführt zu werden. Er ist bei 
der dentalen artikulation des 1 so natürlich^ dass äussere 
einflüsse hier nicht gesucht werden müssen; wenn auch 
vielleicht zuzugeben ist, dass in der nachbarschaft eines 
anderen 1 dieser wandel leichter eintreten konnte. Als 
eine ;,assimilation" des 1 an d betrachtet es Stark p. 34, 
wenn für-Lüdo zuweilen Dudo auftritt; hierher stellt 
Kremer PB. Vlll 428 auch den westg. Dndila (nach 
Bezz. p. 9 = ahd. Tutilo). Auch von einem wandel des 
1- > r- berichtet unser span. namenverzeichniss. In ein^r 
hds. des F. J. XVI a. findet sich Reubegildus = *liuba- 
gilds. 

Von lehnworten ist hierher zu ziehen: sp. gcUardbn 
gualardon = *widarlaun, wobei der wandel von 1 > d 
wohl hauptsächlich durch anlehnung an lat. donum zu 
erklären ist. Auffällig mag es immerhin erscheinen, dass 
diese anlehnung sich auf allen rom. gebieten gleich- 
massig vollzogen hat. 



— 37 -^ 

gp. snla saloD saleta etc. zu germ.^sala, estaJo estala 
zu *stal-, mala maleta zu *mala*). 

lat. -//- wird im spau.X germ. -11- a][)er zu 1 in 
esquila „schelle" = got ^skilla oder sköUä (Walt. p. 102) ; 
der vokal i ist schwer zu erklären. Zwar hat nsp.i = e 
vor 11; wo die ältere spräche noch ie schrieb zb. castillo 
= asp. castiello (PC. 98); aber dieser wandel hat sich 
eben erst in moderner zeit vollzogen , während esquila 
sich bereits PC. 1673 findet. Ein anderes beispiel ist 
bala, balon zu germ ^balla. In beiden Fällen ist ein- 
faches 1 eingetreten, so dass also die lat. gemination 
anderer art gewesen sein muss als die germ. 

sp. faldistorio aus germ. "^falda stölja hat sich ent- 
wickelt wie ein lat. ^faldistolium. [Wegen -rio aus 
•lium cf. sp. lirio = lilium.] Auf dieselbe form weist 
auch afr. faudestueil nfr. fauteuil, welches sich aus 
einem frk. «faldistöl (Walt. p. 77) nicht erklären lässt. 
Dagegen scheinen die afr. formen faudestuet faüdestnef 
u. dgl. auf ein aus *faldistöl entwickeltes ^faldistöd 
zurückzugehen. Die populäre form des lat. Ij ist 
span. j; diese finden wir wieder in span. gasajado 
„vergnügen" (zB. BC. Millan 43, Or. 150, ßz. 732, 1290 
etc.) zu *gasalja, daneben gasanyado Apoll. 363 (dia- 
lekt. form ?) ; dagegen ist germ. *kilja durch span. quilla 
wiedergegeben (cf. oben p. 34); ebenso hat sich auch 
lat. Ij in einigen, wie es scheint, weniger volkstümlichen 
formen zb. maravilla batalla entwickelt. Jenes faldi- 
storio, das in der älteren sprachperiode, so weit ich 
sehe, nicht überliefert ist, wird vielleicht aus dem gleich- 

*) Das ahd. hat die ableitung mala-ha, dem got. '^'malha 
entsprechen würde. Die rom. sprachen aber setzen die unabge- 
leitete form voraas. Wie kommt eigentlich Walt. p. 98 anf sein 
frk. ^malha malacha? Das geht doch aus seiner darstellung 
des fränk. nicht hervor, dass -h- sich in -ch- verwandelt. 



- 38 -r 

lautenden \t&h wort entlehnt sein; hier findet sich der 
Übergang von 1 > r ebenfalls häufig. 

lat und germ. «/m- haben sich bis heute er- 
halten cf. sp. yelmo («=*helm8), wie olmo (= ulmnm). 

Gegen /n scheint nach EW II b alamö der Spa- 
nier eine gewisse abneigung zu besitzen. Baist 
Rom. Forsch. I 132 bringt ausser den von Diez ange- 
führten beispielen noch einiges weitere zur stütze dieser 
behanptung. Prttfen wir einzeln, candado ist nicht 
aus calnadOy sondern aas ^cadnado = *catenatum ent- 
standen; aus candado schon früh canadoPG. 3 (ähnlich 
pendar AIx. 444 — ^pectinare). alatron neben anatron 
lässt sich nach DE p. 59 durch eine arab. nebenform 
erklären; aber auch ohne das Vorhandensein einer sol- 
chen nebenform ist der wandel von n > 1 weder im 
arab. noch im span. auffallend zu nenneu; während die 
von Baist wie es scheint eigens ad hoc erfundene mittel- 
form *alnatron den lantgesetzen des arab.^ die eine 
assimilation des 1 an folgendes n verlangen, sicher- 
lich widerspricht. Das span. konnte allerdings das 1 
einschieben; aber wozu eine solche form annehmen, 
wenn der wandel sich viel einfacher ohne einschiebung 
u. dgl. erklären lässt? jalde ergiebt sich schon durch 
seinen anlaut als entlehnung aus dem prov. (lesp. frz.) 
zu erkennen, und da das prov. nach EW I giallo neben 
jalne auch jalde besitzt, so scheinen die Spanier, um 
die richtigkeit jenes lautgesetzes zu erweisen, eigens 
die ihnen unbequeme form jalne entlehnt zu haben, 
um sie nachher in die bequemere jalde umzuformen. 
So bleiben noch übrig alnafe neben anafe, dessen 
von DE p. 184 gegebene etym. sehr problematisch 
ist; und alna neben alamo, deren Zusammenge- 
hörigkeit durch EW II b auch nicht völlig erwiesen 
scheint — warum eigentlich, so fragt man unwillkürlich, 



.^ 39 ^ 

behielten die Spanier alno hei? — Dass alnado nnUhlich 
geworden ist, mag sein — in meinem wörterhuch fand 
ich keinen vermerk darüber — ; im übrigen ist alnado 
auch dnrchans nicht die gewöhnliche entwickinng aus 
^antenatum. Es scheint hier früh an stelle von aute- 
natnm ein *adnatum eingetreten zu sein, aus welchem 
sich nach dem gewöhnlichen gesetz andado bildete, 
aber auch alnado entstehen konnte. Nur die erklärung 
von Baist für ana = alna, dass hier die arab. behand- 
lung des artikels von einflnss gewesen sein könnte, wage 
ich nicht anzutasten, da ich selbst keine bessere zu 
geben im stände bin. Das wort ist freilich eines der 
schwierigsten von allen, die ein gegenständ unserer 
Untersuchung waren. Am besten wird es noch sein, ein 
vlg. lat. *alna mit Gröber W. Arch. I 238 anzunehmen 
neben klass. ulna. Aber wie diese vlg. lat. form er- 
klären? Aus got aleina (ei verschrieben für i? Kluge 
s. V. eile) wäre span. *alina geworden und aus frk. *alina 
(diese form nach ahd. elin) hätte aline entstehen müssen. 
Also nicht an dem frz. a mit Gröber^ sondern an dem 
i nehmen wir anstoss. Walt, freilich, der das wort nicht 
bringt, würde nach p. 90 wohl schwerlich sich über das 
wort bedenken gemacht haben. Wenn seine regel, dass 
pdie auf der antepaenultima betonten frk. appellativa 
den ausfall des nachtonvocals erfahren'^ richtig wäre, 
dann stände die etymologie fest. Aber sie ist leides 
nicht richtig. Walt, hat nicht bemerkt, dass in frk. 
germ. *haunida für d im frz. d hätte stehen müssen; 
wir haben in span. ontar = frz. *honter eine ableitung 
aus dem vb. sp. *onir = frz. honnir mit -tar (cf. ähn- 
liches in RG. 11' 401); zu ontar ^= frz. *lionter gehört 
onta frz. honte als Verbalsubstantiv. Bedenklicher noch 
ist das zweite beispiel Walt.*s: jo«€ < *gabita. Denn 
gabata ergab allerdings im laufe der zeit ^gabita, ist 



— 40 — 

£^ber nicht germ. herkunft, sondern lat. (cf. xb. Martial 
7, 47, 3 bei Georges); das germ wort ist aus dem lat. 
entlehnt und darum mit recht von Franz behandelt. Das 
dritte beispiel aber ist mganer, nach Walt, aus *inga- 
raanoU; wo also sogar das a gefallen sein soll. Hier 
nehmen J. Bauer GZ. II 593 und Bönsch ib. 111 102 mit 
recht als grundlage *gannare an (cf. auch Reich. Gloss. 
I 521 : ad deganandum). Und so ergiebt sich in diesem 
falle zwar nicht, dass die ausnähme die regel bestätigt, 
aber, was vielleicht noch seltener sich ereignen mag, 
dass die ausnähme die regel selbst ist. Denn das von 
Walt, in die anm. 1 versetzte wort afr. falise ist die 
auf romanische art betonte form aus frk. *falisa. 

Nach dieser vielleicht nicht ganz unnötigen ab 
Schweifung mag ein zweites bedenken nicht unerwähnt 
bleiben, das mir bei alna ana aufgestossen ist und gleich- 
sam die kehrseite zu diesem Vorgang betrifft. Eine 
schon im altertum bekannte pflanze, welche im lat. inula, 
gr. elivtov ^ nhd. alant genannt wird, hat im span. die 
bezeichnungen enula und ala, von denen die erstere ohne 
zweifei aus dem lat. innla stammt, aber auch die andere 
sowohl nach EW. I enola als auch nach Gröber W. 
Arch. 111 267 hierher gezogen wird. Einen versuch, dies ir- 
gend wie zu erklären, finden wir weder dort noch hier. 
Es findet sich freilich der wandel von e vor gedecktem 
1 in a (cf. oben p. 16 Alfonso = Ildefonso), aber doch 
nur in vortoniger silbe. Aus *enMa konnte wohl *elna 
werden, aber selbst wenn wir den sonst nicht vorkom- 
menden wandel e > a in der tonsilbe zugeben würden 
so ist nicht recht einzusehen, warum hier sich alna in 
ala wandelte, während es ein ander mal ana wurde, 
ala ist also wohl anderen Ursprungs als enula; und wenn 
nach Isidor die bauern den namen „ala" für das gelehrte 
„inula" hatten, so werden wir hier eine alteinheimische 



— 41 — 

bezeichnung der pflanze zu sehen haben, womit mnhd. 
,,alant'^ vielleicht znsammenhängt. 

'M- hat sich in den germ. lehnw. unverändert 
gehalten. falda,faidistorio^ gualdo „gelb'' (=germ. *wald- ? 
engl, weld); das ital. hat hier ebenfalls -Id-, wohl ein 
beweis, dass diese worte schon früh eingedrungen sind, 
sicher vor der lautverschiebung im lang., welches die 
hierher gehörigen namen fast durchweg mit -It- schreibt. 

Eine assimilation des d an 1 behandelt bereits 
Stark ausführlich p. 22. Zu seinen belegen aus dem 
spao. mag noch hinzutreten Illefonsso = '*'hildi- funs 
BC. Milag. Ö7 und das bereits erwähnte Leovirgillo 
BC. Millan 289. Aehnlich können wir wohl auch mit 
J. Eremer PB. VIII 453 Marispalla aus *maris ball)a 
erklären ; sonst scheint sich *-balI)a gewöhnlich in *badus 
zu wandeln, wo andere herleitnng aus badu- „kämpft 
vermuten. 

-/c- nur in mariscal aus *marha - skalks (marha 
kelt.? cf. Bacmeister kelt. br. p. 41) *maraskalks, 
woraus nach roman. compositionsgesetz ^mariskalk 
wurde; das ital passte sich das wort durch anbängung 
des an, das span. und franz. warf von der unge- 
wohnten doppelconsonanz im auslaut den zweiten be- 
standteil ab. Ebenso ist senescal sinescal aus ^sini-skalk 
entstanden. 

Lat. r ist im span. anlautend meist er- 
halten, inlautend verfällt es, wie natürlich, 
häufig dem Übergang in 1, seltener in d*). 

Hierher gehört espuela nebst ableitnngen (cf. 
oben p. 20 zu *spor-. Dafttr hat Alx. 84, 1611, 1806 



*) Beispiele bei C. Michaelis, Stadien z. rem. wortsch.p. 235. 



^ 42 -^ 

espnera; doch ist dies, wie der reim in str. 84 zeigt 
(scola : espaera : avuela : mo^uela), erst vom copisten 
hineingesetzt. Ihm werden wir auch das r in esporo- 
nada Alx. 598. 1885 esperonada ib. 650 zuschreiben. 
Auch der spräche des erzpriesters von Hita gehört 
espuela an, cf. str. 586, wo fast dieselben worte wie 
Alx. 84 im reime stehen (escuela : mozuela : espaela: 
dnela). 

Der wandel r > 1 ist ebenfalls durchgeführt in a/- 
bergar etc. zu *hari-berga. 

Bewahrt ist dasr in tirar zu germ. *tir- (cf. got. 
tairan; ahd. zerran ist wohl = *tirjan?)*) Ist das wort 
Übrigens sehr volkstümlich in Spanien? Aus der Ver- 
wendung allein kann man es noch nicht schliessen. 

Epenthese des r, wie sie im span. in mientre, 
ähnlich auch in anderen roman. sprachen auftritt vor 
allem nach gedecktem t*), ohne dass w4r hier durch 
annähme von analogiebildungen u. dgl. m. überall 
zu einer annehmbaren erklärung gelangen können, weist 
auch unser namenmaterial auf; so heisst der söhn des 
königs Silos (780) Adelgastro (cf. zb. Esp. sagr. 37, 306), 
wohl = *adal-gasts, so ein praef. Suavis Hisp. a. 456 
457 Agrivulfus Jord. 117, 10, nach MüllenhoflF im index 
=■ *agia-wulfS; und ähnlich mUsste der name des mör- 
ders des königs Turismund, Ascälcrus, erklärt werden, 
wenn Dahns Vermutung, dass er aus skalks „verdorben" 
sei, richtig wäre. (Könige V 82). Aber mit recht be- 
merkt Mtillenh. z Jord. 116, 12 (p. 147 des index): „haereo 
in nomine, nam praefixum ä, quantum scimus, defuit, ut 

*) Walt. p. 76 erklärt frz. tirer aus frk. *tirran; warum aber 
vereinfachte sich hier die doppelconsoBanz, während sie in guerre 
= frk. *wirra (Walt. p. 99) blieb? 

**) cf. zb. ital. inchiostro frank oit. clostre frz. encre <^ in. 
caustum, frz. registre chapitre <; regesta capitulum u. dgl. m. 



^ 43 ^ 

Norroenae, ita Goticae lingnae; nee, si non defuisset, 
Ascalc libertus foret, ut Langobardorum ämund = liber 
(ab omni tutela)". 

So könnten wir denn auch span. lacra „mangel" 
mit EW. 11 6 zu engl, lack ziehen, also ein germ. *lak- 
als grundlage annehmen. 

Ausfall des r in der nachbarschaft eines anderen 
r zeigt sich in Fadrique Alf. XI str. 486 (cf. oben p. 17).*) 

span, rr ~ lat. rr ist von einfachem r scharf ge- 
schieden. Ebenso wird germ. rr behandelt guerra = 
germ. *wirra. 

lat. -rj' blieb in keiner roman. spräche un- 
angetastet, ein zeichen, das schon im vlg. lat. gewisse 
Wandlungen mit diesem laute vorgegangen waren. Jeden- 
falls war die attraktion des j an den tonvocal schon 
vor der germ. Invasion abgeschlossen. Die palatalisie- 
rung des j, wie sie sich im frz. cierge, afr. serorge (= 
sororius) u. dgl. (R6 P 183) zeigt, ist dagegen noch 
nicht vollendet. Diesen wandel zeigen fr. hourgeon 
„knospe" = frk. *burjo (Walt. p. 100) und esturgeon 
„stör" = frk. *8turjo (Walt. p. 101). Auffällig ist, dass 
bei diesen beiden worten dieselbe grundlage zu ver- 
schiedenen formen geführt haben soll, einmal om, das 
andere mal u. Auch im span. lautet es esturione. Auf 
dieser grundlage möchte man germ. *stürjo aufbauen , 
dem aber ital. storione widerspricht. Walt, hat auch 
hier keinen anstoss genommen. Seinem principe getreu, 
die lautgesetze so festzustellen, wie sie ihm passen, nicht 
wie sind, entdeckt er auf einmal, dass -rj- eine „ein- 
fache consonanz" ist. 

Wie lat. -rm-^ im span. zuweilen zu -Im- wird, 
nennt auch FJ. XVI a. den söhn des königs Leovi- 
gild Elmisildo = *airma-gilds, einen anderen wandel 

*) cf. auch Federicus Fericus bei Stark 185. 



' 



_ 44 — 



constatiert J. Kremer PB.Vlll 457, wenn er Himnerith 
(Jord- 107, 22. f). jh.) aus *airma-reps ableitet. Hierher 
wohl anch barg. Hymnemondus Ymnemodns (Wack.396 
8. T. Ememandi). 

Za erwähnen ist sp. gormar „sich erbrechen", das 
EW. 11 c gourme mit altn. gormr „schlämm" vergleicht, 
also wohl zu germ. *gorm? 

lat. -m- ist im span. gewöhnlich geblieben ; so auch 
meist in den germ. eigennamen : Arnegisclus (mag. mil.) 
Jord. 42, 25, Bernardus etc., über einen ziemlich häu- 
figen wandel von m > nn zb. Annila, Annemundns etc. 
cf. Stark p. 51 f. Das häufige Ferrando Ferran = 
*FriJ)u-nanI)S wird wohl aus Fernando =Ferdinandus — 
Fredenandus sich entwickelt haben. 

germ. -rb- blieb. Doch scheint das einzige hierher 
gehörige beispiel turba == germ. *turba aus fr. tourbe 
entlehnt. 

germ, -rd- blieb, sp. barda = germ. *barda? (altn. 
bardi „Schild"), borda zu germ. *bord, ardid zu germ. 
hard-, dlabarda zu germ. *barda*). Auch in dem eigen- 
namen Bernardus bleibt -rd- gewöhnlich, doch findet 
sich daneben Bernaldo Rz. 133, auch Bernal (a. 1315 
in CLC. 1 p 264). Dagegen wird in Bernad (a. 1099) 
wohl schwerlich mit Stark p. 184 lautlicher ausfall des 
r, sondern schreiberversehen vorliegen. Zu bertlcksich- 



*) Das wort ist übrigens durchaas nicht früh in den roman. 
sprachen belegt. Für das pg. stammt der älteste beleg Vieiras 
aus dem jähre 1594; Littrö belegt das wort aus dem 15 jh. und 
über das span. bemerkt Pascual Rev. Esp. 20, 79: Se cree por 
algunos que la alabarda fuö introducida en Espaüa ä principio 
del siglo XVI, quiza por don Felipe el Hermoso. Diesen daten^ 
über welche eine genauere kenntnis der kriegsgeschichte wohl 
noch helleres licht verbreiten würde, widerspricht der Sprach- 
forscher. Aus hellebarte wenigstens, noch weniger aus helm- 
barte oder dgl. kann alabarda nicht entstanden sein. 



— 45 ~ 

tigen ist freilich Fadriqae Alf. XI str. 486 (Federicus) 
= *fri^ureik8. 

In Ricart BG. Dom. 668 Bichalte Conde Luc. 3 haben 
wir ans anderen sprachen entlehnte namen. 

-rht- in Bertranus (CLC. 1 p. 33 a. 1115) Beitran 
PC. 3004 = *bairht-hrabans, oder kelt. ? (Stark, p. 26). 

-r(7- : Burgos, burgo. 

-rc' : marco PC. 135, marca = fr. marche aas germ. 
*marka (fr. marque ist natürlich lehnwort). 

-rp- arpa „harfe" = germ. *harpa. 

irt. 

bleibt fast durchweg unverändert imspan; die 
lehnworte erleiden natürlich auch keine änderung. 

mp in eslampar eindrücken = germ. ^stampön ahd. 
Btamphön. 

Einschiebung von m findet sich in sp. zu- 
weilen vor lab. und nach a, zb. amberso „Vorder- 
seite e. münze*' (aversum) ; sollte ebenso trampa ;,falle'' 
= pr. trappa aus germ. *trap- (cf ahd. trapo „schlinge" 
EW. 1 trappa) zu erklären sein? Nicht unmöglich wäre 
dann auch rampa zu *rap- cf. EW. 1 s. v. rampa und 
rappare. 

M. 

Für lat. n trat zuweilen aus „dissimila 
tion'' ein 1 ein; ähnlich sp. gonfalan gonfanon aus 
*gandfano zu erklären. 

Einschiebung von n führt Wredep. 58 auf rom. 
einfluss zurück in "wand. Gensericus = *gaiza - reiks, cf. 
auch Stark p. 63 anm. 4 ; häufig ist vor allem Transamun- 
dus = |)rasamunds wegen lat.trans. 

n? < 11 vielleicht in Salla cf. Stark p. 66. 

Während lat. nj im span. ü wird, schreibt mau 



— 46 — 

noch in später zeit die germ. eigennamen mit nj. 
Saniagisas 693 = *8anjagei8 Bezz. 11, ähnlich Sanie- 
fred, barg. Snnia Conia Coniaricas (Wack. 347). Ge- 
hört hierher sp. guiüar -=» ital. gbignare afr. wiguier 
(Förster GZ III 265) = germ. *winjan, aber was be- 
deutet das germ. wort? Nicht ganz anbedenklich er- 
scheint aach die herleitang von fctngo ^^schlamm'' aus 
*fanj-; die sonstigen beispiele der „rerhärtang" (EW 
I s. y.) des j > g; c gehören dem verb an, sind also 
wohl auch aaf andere weise za erklären. Man muss 
immerhin erwägen^ dass das lat. ein gleichbedeutendes 
wort besass, dass vielleicht auch formell passender sein 
könnte. Sollte das von Festas überlieferte famicosns, 
welches Diez verwirft^ uns nicht aach aaf '''famicam 
weisen können? Aber das saffl -icam scheint sonst im 
lat. nicht vorhanden zu sein und prov. fanh weist auf 
^fanj. Das einzige wort des namenmaterialS; das den 
wandel von nj > ng hat, Singerich == ^sunjareiks 
Isid. bist. Goth. 33 (cf. Dahn Könige V 86), kann nicht 
zur begrtindung der germ. herleitung von fango ver- 
wandt werden. Hier ist -ge- nur eine auch sonst be- 
kannte bezeichnung des -je-. 

-nd- bleibt gewöhnlich: westg. Landericus 688 = 
^landareiks, Gandaricus; doch tritt später vielfach der 
Uebergang zu nn ein, beispiele bei Stark p. 31, frei- 
lich keine span. Doch wird Roldan (Alf. XI str. 1739; 
6C. Millan 412) kaum anders zu erklären sein als aus 
"'Bodlannus durch metathesis. Die ersten spuren der 
lautverschiebung finden sich in dem namen Chintila 
7. jh. = *kindila PB VUl 458. In den apellativ- 
namen findet sich dieselbe noch nicht, cf. 
bando banda zu germ. *band, cundir = *kundjan. 

-ndm- in Mummulus < mundmuls PB VUl 459. 

germ. -ri|)- wird zuweilen noch mit J) geschrieben, so in 



- 47 — 

Svinthilanus (JHC. n. 161), Suinthi- liuba zu*svinl)a, dafür 
tritt aber auch -nd. und -nt- ein, ohne dass es gelingt^ 
chronologische fesp. dialekt. scheiduDg für diese fälle 
zu schaffen. Suintericus 675 (= *svinl)a-reiks Bezz. 11), 
ßeccisvinti 650 (JHC. n. 170), Sintila bei Smaragd, da- 
gegen Sinderith 6. jh. Sinduitas 675 (westg.), Requisindus 
693, ebenso bürg. Nandoredus Euuandus Wack. 111 
354 u. s. w. 

"TIS- ist schon im vlg. lat. > s geworden; von 
den german. dialekten haben in späterer zeit 
einige denselben wandel durchgemacht; das 
wulfilanische got. hat ihn nicht. Ob ihn später wandil, 
dialekte entwickelt haben, lässt sich in der that nicht 
aus einigen unsicheren namen entscheiden cf. Wrede p. 
108. Lehnworte, die hierher gehören, sind leider nicht 
vorhanden. 

-nc- blieb: banco bancal etc. zu germ. *bank-^ 
bhnco blanquear zu * blank, franco franquedumbre (FJ 
180 b) zu *frank. 

-ng- erhält sich gewöhnlich: westg. Amanung 
653 Amanungus 636 = *amanuggs (Bezz. p. 8), Ingil- 
dus 7. jh. = igga-gilds PB VIII 458 , derselbe name 
auch bürg. Wack. III 369; aber es findet sich auch 
Amanuncus (westg. conc. 638); und so werden wohl 
doch die bedenken verstummen müssen, welche man 
gegen die direkte herleitung von esplinque „fessel" aus 
germ. got. *8pringa = ahd. springa „fessel", von arenque 
aus got, *hariggs haben möchte (cf. oben p. 13).. 



- 48 - 



T^CLloictle». 



lat. b- blieb im span.; germ. b- ist zar Zeit 
der invasion Doch nicht verschoben. Gegenüber 
westg. Balderedus 681; 693 Baldvigius 656; Balthi 
(regia stirps Vesegotharum) Jord. 64,22, ähnlich bürg. 
Baldaridus (a. 488) Baldaredus (a. 487) cf. Wack. 354. 
369 muss Marispalla (JHC n. 135 a. 485) == *maris- 
ball)a (PB VIII 453) gerechtes bedenken erregen. 
Entweder ist die deutnng nicht richtig, oder, was noch 
wahrscheinlicher ist, der Steinmetz hat sich versehen. 
Daraus lautliche Schlüsse zu ziehen, wäre gewiss ver 
fehlt. Das langob. hat seit der mitte des 8. jh. die laut* 
Verschiebung durchgeführt. Adalpcrga (a. 768) Age- 
pertus (a. 773) Albileopa (a. 752) u. dgl. ; die alten 
lehnworte des ital. zeigen natürlich ebenfalls noch keine 
spuren derselben, ebensowenig wie die span. oder franz , 
also banco, bordo u. dgl. 

-b- hat in den meisten roman. sprachen 
Spirant, character, so dass es im frz. volkstümlich 
zu V geworden ist; das span. schreibt -b- und -v-, ohne 
dass dadurch eine wesentlich verschiedene ausspräche 
bezeichnet werden soll. So erscheint es also ganz na. 
türlich, dass die romanen das spirantische germ. 
-b', das im wesentlichen denselben character 
gehabt haben muss wie das roman., durch ihr 
b wiedergaben. Man kann also für die einzelnen 
germ. dial. aus rom. Zeugnissen nicht recht bestim. 
men, welchen blaut sie gehabt haben, und wenn Walt, 
p. 57 behauptet, dass die got. „weiche spirans'^-b- im 



— 49 — 

fränk. zur ,,media'' b geworden^ so steigt ihm über 
diese kühn behauptete lautregel p. 88 ein leiser zweifei 
auf, wo er fr. v = frk intervok. b («= weiche Spirans?)*) 
aufstellt. Aus der ferneren entwicklung des lautes also 
geht unzweifelhaft hervor, dass das westfränk. noch 
die „weiche spirans'^ besessen hat. 

Vielfach finden wir in den eigennamen -v- <-b- 
geschriebeU; wo also der spirantische Charakter des 
lautes deutlicher ausgedrtlckt wird. cf. westg.: Gibericus 
Givericus (cf. J. Kremer PB. VIU 455). wandal. Gabadus 
und Marivadus (Wrede p. 103). Aus dem zufälligen 
fehlen eines solchen v wird man selbstverständlich 
keinen schluss ziehen dürfen. 

F. 

Dass das lat. -p. zur zeit der germ. Invasion 
bereits auf dem wege nach -b- im span. begriffen, 
also vielleicht eine stimmlose lenis war, erscheint a priori 
wahrscheinlich. Die vorhandenen lehnworte sind leider 
nicht sicher genug, um die frage entscheiden zu können, 
sp. estrapada „riss'' zu germ. *strap-, trepar zu germ. 
*trip (cf. ob. p. 18), guapeza „prahlerei" zu germ. *wap- 
(ae. vapul „Wasserblase"). Ueberall also erhaltung 
des p, während lat. -p- ^> -b- wird. 

-pj- nur in hacha = ""hapiä (wfräok. happjä Walt, 
p. 65) nach Förster GZ. 111 264, also genau wie lat. -pj 
entwickelt. 

r. 

germ. -vj- > j, wie lat. vj, wenn Tayo = tevja 
richtig wäre, cf oben p. 22; auch die germ. lehnworte 

*) p. 70 s. V. graver hegt er gar keinen zweifei an der 
weichen spirans. 

4 



— 50 — 

im span. aleve und ataviar können wegen ihrer Unsicher- 
heit (cf. oben p. 22) nichts zar entscheidung beitragen. 

Das germ. lahMabicde w entsprach durchaus 
nicht dem lat.-rom. v; der romane gab jenes durch 
gu wieder, wenigstens im anlaut: guahir (*wainjan), 
guante (*wanta)*) guardar (*wardan), guarir (*warjan), 
guamir (*warnjan), guerra, gerra PC. 865 (*wirra), guisa 
(*wlsa)**) etc. ; im inlaut vielleicht tregua (=*trewa?). 

Wie diese „lautsubstitution" zu erklären ist, mag 
zweifelhafterscheinen; ganz klar ist es wenigstens noch 
nicht, ob der germane bereits das g im anlaut gesprochen 
hat. Für rom. einfluss spricht das moderne esguizaro = 
Schwizer. 

Abweichend hat sich hoga (zu *wag-) entwickelt, 
nach Diez infolge von dissimilation.(?) 

'wr- liegt in zwei sich widersprechenden belegen 
vor. sp. garafion (nicht guaralion, wie es EW. 1 * gua- 
ragno lautet) = germ. *wranja, bereits Rz. 1379 belegt, 
wogegen ich das von Diez erwähnte asp. guaran leider 
nicht belegen kann. 

Das andere wort ist renco „lendenlahm^' = *wrink. 
Hier setzt Walt. p. 71 zwar frk. *renk an. Da aber 



*) „wanten sind die gestrickten handschuhe der nordd. See- 
leute". Breusing Jb. d. v. f. ndd. sprachf. V p. 17. 

**) Kluge, der etyni. wb. s. v. weise und Gröbers grundr. 
p. 387 das gerra. wort wisa als westgerm., resp. nicht got. be- 
trachtet, hätte aus dein Vorhandensein des span. worts guisa 
auch auf ein got. wisa schliessen sollen. So betrachtet auch 
Zimmer HZ. XIX 456 Avestgerm. wirra, das im ostgerm. nicht 
vorhanden sei, als einen beleg für die abweichung des ost-u. wgerm. 
im Wortschatz. Wie aber erklärt man span. guerra? Sollte es 
nicht auch hier bedenklich sein, aus dem nur fragmentarisch uns 
überlieferten Wortschätze des got. irgend welche Schlüsse ziehen 
zu wollen? 



- 61 — 

Dach Braane § 106 anm. 1 das mrrk. noch im 14. jh. 
das w- vor r aufweist, so erscheint es kanm wahrscbeia- 
lieh, daes das nahe verwandte wfrftnk. schon vor dem 
8. Jh. das w- abgeworfen haben sollte. Zu läugnen ist 
freilich nicht, dass sich so am leichtesten der unterschied 
in der entwickinng beider worte erklären lässt*). 

wj-> qu ßadet sich in einigen namen: Quinigia -= 
*winiganja cf. J. Kremer PB. Vlll 454; so wohl auch 
Qnindulfns (Esp. sagr. 37, 315 a 850) zu *winda- und 
ähnlich qaico JHC. n. 97 (5. od. 6. jh.) mit Förste- 
mann Kz. 20, 43S =waihjo? 

Ausfall des w- in Oscandus -^ *wnnskjands PB. 
Vlll 459; ähnlich wird der namc der provinz Andalusia 
zu wandal- gezogen. Darf so auch sp. impla „schleier" 
-= fr. gaimple (ef. EW. II c s. v.) ans *wimpal erklärt 
Werden? 



Der Wandel von f > h**) hatte sich zur zeit 
der germ. invasioti noch nicht vollzogen, wie 
nsp. halda — asp. falda {BC. Loor. 2; Rz, 127) aus 
germ. *falda zeigt. Auffällig mnss es erscheinen, das« 
bereits Rz. 945, 985 hato „kleidang" für fato germ. 
*fat- schreibt. Wahrscheinlich haben wir diese Un- 
gleichheiten dem einflusse des copisten zuzuschreiben. 

Der wandel von /c > fl, so häufig im span , hat 
auch auf die span, behandlung germ. namen gew 
So wenigstens werden wir mit Stark p. 58 anm. 2 
titel der späteren wcstgot. könige Flaviiis aus fra 

♦) Warum aber leitet dann WalL p. 75 fr. rider von 
*wrldhan ab? 

•*) Die physioloKiKche erklarung deB»elben bei Lenz 
phyaiol. d. Palatalen" p. 55 f. 



— 52 — 

am besten erklären Es mug sein^ dass die anlehnung 
an den gleichlautenden römischen namen eine concession 
an die römer gewesen ist (cf. Dahn Könige VI 522); 
aber es ist nicht daran zu denken; dass dieser name 
wegen seiner bedeutung „blondhaarig" gewählt worden 
sei. Als ein Vorzug des germ. königs vor seinen grossen 
germ. abkunft konnten doch wohl blonde haare nicht 
betrachtet werden. Ob überhaupt die etymologie des 
lat. Flavius zur damaligen zeit bekannt gewesen sei; 
mag demjenigen zweifelhaft erscheinen; der erwägt, dass 
weder im span. noch im pg. das wort volkstümlich 
vorhanden ist; und dass wohl schon damals das germ. 
blondo an dessen stelle getreten war. 

lat, fl' war bereits im span. „inficiert", als die 
germanen eindrängen. Den wandel zu 11 hat kein 
germ. lehnwort durchgemacht; dagegen erscheint 
der spätere wandel zu fr auch in den germ. lehnw. ; 
so flete aus frete (germ. *freht?). 



I> e n t a 1 e 6(. 



Zur zeit der germ. invasion war lat. -d- bereits 
geschwunden in volkstümlichen worten; wo es 
noch geschrieben wurde, bezeichnete es die stimm- 
hafte interdentale spirans. Mit diesem laut bezeich- 
nete man naturgemäss auch germ. -th-; das ursprüng- 
lich stimmlose spirans war, aber kurz nach der invasion 
intervocalisch zur stimmhaften wurde. Diese thatsache hat 
Wrede p. 104 richtig erkannt; während Walt. p. 57 
dem wfränk. bereits die Verschiebung in verschlusslaut 
zuerkennt. Für die germ. stimmlose spirans finden sich 
die Schreibungen th und t, und da das germ. die 



— 58 — 

« 

stimmlose spirans im anlaat länger beibehielt als zwischen 
vocalen, so haben auch die lehnworte im anlaut 
t^ im inlaut aber d. Das lat. -t- war bereits zu 
-d- verschoben, so dass die germ. lehnworte mit 
-d- dies genau so entwickeln wie lat. -t-, d.h. es lautet 
im span. gewöhnlich -d- und ist in gewissen dialekten 
auf dem wege zu verstummen. Germ, -t- aber verhält 
sich wie lat. -tt , das zur zeit der invasion bereits 
ein einfacher laut gewesen sein muss. Auf diese 
weise allein lassen sich die modernen entwicklungen 
der germ. lehnworte erklären. Waltemath, der glaubte, 
dass sich in den germ. lehnworten wie in den lat. erb- 
worten die doppelconsonanz vereinfachen mUsste, sieht 
sich dadurch zur annähme von consonantengeminatio- 
nen veranlasst, welche durchaus nicht, in den gesetzen 
der „westgerm." dialekte begründet sind. Er giebt die- 
sen grund seiner annähme der doppelconsonanz nicht 
an; doch ist er zwischen den zeilen zu lesen. 

Die hier aufgestellten regeln zu begründen, bedarf 
es nur weniger beispiele. 

germ. |). J)- > t-: Trasamundus =• *J)rasamunds; 
triscar (BC. Duel 191) trisca (Rz. 1202. Alx. 1790) zu 
*I)ri8kan, iruco zu*|)ruk-*); hierher wäre auch das pro- 
blematische «cjow- = *{)ahs (?) zu ziehen und das noch 
problematischere toaUla „handtuch^^, welches EW. I. to- 
vaglia von pwaban „waschen" ableitet. Wenn wir zu- 
nächst die bedeutung prüfen, so ergiebt sich, dass ein 
handtach doeh kein tuch zum waschen, sondern höch- 
stens zimi abtrocknen ist; die eigentliche bedeutung 
scheint „tischtuch , Serviette^' zu sein (cf. zb. las mesas . • . 
de toaias cobiertas Alx. 1796); formell aber lässt sich 



*) Das wort soll nach Covarruvias aus dem ital. entlehnt 
sein, was aus der form nicht zu sehen ist. 



- 54 — 

das wort gar nicht von einem germ. wort Weiten. Ob 
wir nun {)wahila oder {)wagila als etymon annehmen, 
das germ. snS. - ila hätte sich ohne zweifei an das 
roman. suff . - ila angelehnt; ebenso wie das germ suflF.- 
il sich an das rom. illo ello anlehnte (cf. zb. bedel = 
germ. *bidil). SuflF. -alla hingegen weist eher auf 
ein lat. - acula; wahrscheinlich ist, wie prof. Förster 
vorschlägt, *togacula (von lat. töga) das etymon. Die 
bedeutung würde trefflich passen, der ausfall des -g- 
findet sich sporadisch im span. auch vor a (zb. leal = 
legalem), noch häufiger im prov. und franz. Das „hia- 
tustilgende" V im ital. erklärt sich ebenfalls leicht. 

-J)- zunächst > t später d: cf Pritigernus neben 
Fridigernus bei Jord. = *fril)n-gairns, Hrothisthius 4. jh. 
- *hr6I)is-I)ius (PB VIII 453), dagegen Rudorich 7. jh. 
== *hr6|)a-reik8, Rudesind 9.— 10. jh. =*hr6{)a-8winj)8; 
Mathasuenta 6. jh. ;=^ •mal)a-swinl)a (PB VIll 426), Re- 
temeres 5. jh. (Jord. 107,22) = re|)am6rs PB VIII 457); 
eine genaue chronologische Scheidung scheint sieh nicht 
durchführen zu lassen. 

Die lehnworte haben -d-: Iaido zu *laij), ebenso im 
frk., wie Walt. p. 83 ansetzt, der mittlerweile im frk. 
die fehlende „weiche spirans" entdeckt hat, ebenso ri- 
der sp. en-ridar zu *wr!|)an.*j 

'd- bleibt: 6nWa„zUgel" =germ.brida, 6tfde/=germ. 
*bidil**). Mit recht hat sich daher bereits Walt. p. 75 
gegen die herleitung von frz. guier (denn so allein heisst 
das wort im afrz., gnider ist erst später aus dem ital. 
entlehnt) =» sp. guiar aus germ. witan gesträubt. Auf 



*) Wegen der scheinbaren ausnähme onta cf. p. 39. 
**) Ae. bydel weist auf germ. *budil, das in den rem. spr. 
"'badello etc. ergeben hätte ; wenn das wort, wie es scheint, mi t 
bidjan zusammenhängt, wird sich die annähme von '^'bidil nicht 
als unmöglich darstellen. 



— 55 — 

seiaeo Vorschlag, eine einwirkung des Stammes *w!d 
anzunehmen, konnte er nur durch niehtberlicksichtigung 
der span. form kommen. Hier weist der ausfall des d 
im aspan. (guiar PC. 217, 241. Rz. 10 u. ö, guia BC. 
Dom. 241, gDionage BC. Dom. 574, guion BC. Millan 29 
u. s. w.) unzweideutig auf nicht germ. herkunft des Wor- 
tes. Entlehnung aus dem frz. erscheint sehr zweifelhaft. 
Allen roman. formen wird allein gerecht ein vlg. lat. *vrdare, 
dessen stamm demgr. fiU- entspricht, wenn es auch bedenk- 
lich erscheinen mag, dass bei der bildung eines a-yerbs der 
stamm mit langem vocal verwendet ist. Wegen des 
bedeutungsübergangs möge an unser „weise^^ neben 
„weisen" erinnert werden. Das von Settegast Rom. 
Forsch. I 248 vorgeschlagene etymon vitare ist formell 
ungenügend und lässt sich auch in bezug auf die 
bedeutung nur mit hilfe etwas kühner Übergänge als 
richtig annehmen. Der einzige vorzug des wertes ist, 
dass es im lat. genügend belegt ist. 

Die von Stark p. 46 erwähnte „ekthlipsis" des 
d in hypokoristischen eigennamen (auch sp. Aalarius a. 
930) beruht auf anderen als rein lautlichen gründen, 
kann also nicht gegen unsere ansieht zu felde ge- 
führt werden. Auch die in dnigen namen im 7. jh. 
auftretende Verschiebung des anlautenden d zu t, 
Tructemundus 681. 683 u. ö =*drauhti.munds PB VIII 
454, Tunila 638 = Dunila 652 hat keinerlei ein- 
fluBS auf die lehnworte gehabt. 

Auf roman. einfluss führt Stark 61 anm. 1 z (s, sc) 
= urspr. d zurück zb. in Ooscelinus. 

germ, -ir- bleibt: mita = germ. mtta (ae. mite) 
„milbe", hotar zu *bautan, teta (Maria Egipc. 313a) = 
*tita. In span. lata liegt vielleicht germ. latta zu 
gründe, wenn die etymologie richtig ist. Zunächst ist 
der Ursprung des worts noch dunkel. Thurneysen Kelto- 






— 56 - 

rom. p. 66 wagt nicht zu entscheiden, ob das germ. 
wort aus gleichbedeutendem kelt. *slattä stammt. 

hatel könnte zwar aus germ. *bait- stammen, wahr- 
scheinlich ist dieser term. mar. über Frankreich aus ae. 
bat eingewandert. 

Für -rf;- können wir leider bei der geringen anzahl 
der belege aus den lehnworten keine sicheren Schlüsse 
ziehen. Jedenfalls ist die behauptung Walt/s p. 94, 
dass gage = germ. *wadi (cf. pignus: uuadius Reich. 
Gloss. I 285) nicht nach den gesetzen der lat. lehn- 
worte gebildet sei, nicht ganz richtig. Es ist genau 
so gebildet, wie frz. assi^ger = lat. *assediare. Es 
scheint aber dieses in der that erst später eingedrungen; 
es ist Walt, zuzugeben, dass die volkstümlichen 
Wörter bereits auf dem wege der entwicklung dj >i 
gewesen sind; ja es ist sogar wahrscheinlich, dass sie 
schon in vorrom. zeit in dieser entwickelung begriffen 
waren; es entwickelt sich nämlich lat. -dj- wie 
j- und auch wie ein teil von -j-; so ital. poggio span. 
poyo (podium), wie ital. maggio sp. mayo (majum); 
ebenso fr. rai (radium) = mai (majum). Zu dem 
Schwund von g vor j im klass. lat : major aus 
*magjor etc. (cf. Aufrecht Kz. I 230) tritt so im vlg. 
lat. als parallele erscheinung der Schwund 
von d vor j. Dagegen scheint sich der schwand von 
b vor j im vlg. lat. noch nicht vollzogen zu haben, da 
hier die rom. sprachen auseinandergehen, lieben dieser 
volkstümlichen entwicklung von -dj, steht eine andere. 
Wie -d- teils gefallen, teils aber zur interdentalen 
stimmhaften spirans geworden war, so konnte -dj- sich 
zu j- und zu -dj- entwickeln. Nach Isid. Orig. XX, 9, 4 
(cf. Seelm. p. 321) gehört ozie < hodie der spräche der 
Itali an. Das ital. bietet in der that die meisten bei- 
spiele für diesen wandel, aber auch dem span. fehlen 



— 67 — 

sie nicht (cf BG. V 234). Mit recht leitet daher auch 
Baist Rom. Forsch. I 108 raza ,;Strich" (zb. Rz. 84) aas 
*radia zn radias, da das von Diez angegebene etymon 
ahd. reiza wegen der lautverschiebang nicht passt. 
Andere gerechte bedenken bat Walt. p. 61 anm. 1). ahd. 
mntti ans modius (Franz. p. 11) wird vielleicht einen 
weiteren beleg abgeben, rom. *modjo ward im west- 
germ. *mnddjo und dieses zu ahd. mntti cf. smitta = 
sniil)l)a Braune § 167 anm. 10* 

Von germ. eigennamen ist neben Burgnndiones u. ä. 
auch der yater des Attila zu erwähnen : Mundzucus Jord. 
124; 14 = Mnndiyicus; sonst gehört hierher sp. gaje, 
das ans dem frz. entlehnt scheint; aiodio zu *alaudi 
*adal-and? (Th. Braune GZ. X 267), das immer noch 
allen erklärungsversuchen spottet. Die behauptung Braunes 
1. C; dass das wort auf gelehrtem wege eingedrungen 
sei aus vertragen etc., ist von der redaktion mit einem 
fragezeichen bedacht worden. Ein drittes wort, von 
Walt, vorsichtigerweise ausgelassen und wahrscheinlich 
nicht germ., ist fr. tuyau = asp. toyiello (BC. Dom. 723), 
das Diez EW. I tudel auf altn. tfld- zurückführt; da hier 
germ. *taud vorliegt, so ist schon aus dem gründe die 
etym. zu verwerfen. 

lat, -t' war sicher schon vor der germ. mvasion auf 
dem wege nach -zj-, wie wir ja aus inschr. und sonstigen 
Zeugnissen ebenfalls wissen. Von hierher gehörigen lehn- 
werten ist zu erwähnen sitio „belagerung" zu *sitjan. 
Dagegen scheint das aus Frankreich eingewanderte 
hucha nicht altgerm. herkunft, vorausgesetzt, dass das 
von Kluge s. v. hütte angesetzte *hudja richtig ist. („Im 
mittellat. ist hütica belegt'^ Förster.) 

Das germ. unterscheidet bekanntlich im in laut 
stimmloses und stimmhaftes s. Letzteres ist in 



-. 58 — 

den sogen, westgerm. dial. za r geworden, doch wohl 
schwerlich sehr frtlh. Wenn auch im westfränk. -z- nur 
auf einer münze aus Speier belegt ist in gaiso — (cf. 
Walt. 57), während die übrigen belege (vom jähre 700) 
r aufweisen, so zeigt dies allerdings, dass um diese zeit 
ungefähr sich der Übergang vollzog; aber fr. roseau 
„röhr" zu germ. *rauz- beweist deutlich, dass zur zeit, 
da die erste schiebt germ. lehnworte in das 
frz. drang, der Übergang noch nicht vollzogen 
wa'r (cf. auch Walt. p. 79). /ram&owc, das Walt. p. 57 
mit Diez RG. P 315 hier erwähnt, kann wegen seiner 
unsicheren etymologie nicht als weiterer beleg betrach- 
tet werden. Auch das bürg, hat noch -z-: Aisaberga a. 
491 zu *aiza cf. aiza-'8mi{)an PB. VIU 429, Usgildus 
(Wack. 369) wohl mit ulfil. usgildan zusammenhängend. 

Das span. hat kein hierher gehöriges lehnwort. 
lozano ist vielleicht aus germ. *lau8an- abgeleitet (stimm- 
loses s). 

Der wandel von «? > sei ist in neuerer zeit 
aus anlass der Förster'schen herleitung des span. en- 
clenque aus germ. *slink (GZ. VI 113) von Baist (GZ. VI 
427) einer eingehenden Untersuchung unterzogen worden. 
In eigennamen findet sich der wandel in -geisls>gi8clus 
und zwar im bürg, fränk., wandal. und got.*). Es ist 
schwer zu bestimmen, ob darin germ. eigentümlichkeit 
oder roman. einfluss zu sehen ist. Man erwäge, dass 
eine ähnliche epenthese in germ. und slav. dialekten 
sich findet, wo zwischen s und r ein t eingeschoben 
wird zb. altn. straumr „ström" abulg. o-strovü „insel" 
von sreu-, aind. sravati. (cf. Brugmann Techm. zts. 
1 235). Vor allem ist zu verweisen auf alb. skjufar 



*) Warum nimmt W. Meyer Ltbl. 1885 p. 454 entlehnung 
hierher gehöriger namen aus dem got. oder barg, an? 



•f sniphnr 'sklufor (makedoram. sklifarö) Schuchard t 
Kz. 20, 253. Es ist immerhin nicht erwiesen, dasB die 
Westgoten in Spanien die eigentUmlichkeit aus Gallien 
mitgebracht hätten, wie Baist p. 431 hehanptet; nnd wie 
will man den rorgang bei den Vandalen deuten? .Die 
von Baist Bodann erwähnten beispiele, in welchen sich 
gl ohne epenthese zeigt, Bind, so weit sie germ. herkunft 
sind, wohl jüngeren datums, können abvr freilich stntzig 
machen. Immerhin ist die FOrster'sche etymologie wahr- 
scheinlicher als die von Baist. encleticns konnte aller- 
diags *enc1elgo ergeben; wenn aber dann der Spanier 
das bedUrfüiss einer dissimilation gefühlt hätte, w&rde 
er *enclergo, nicht enclenque aus *encIeIgo gebildet 
haben. Der wandet lg > ng kann durch mencal ftlr 
^melcal ans mithcal nicht begründet werden. Die be- 
sternte form *melcal ist unmöglich nnd nur eigens er- 
funden, um die hier vorliegende etymologie zu begrün- 
den. Nach DE. p. 20 wandelte sich arab. thä im span. 
gewöhnlich in t, zuweilen in z. Engelmann hält deshalb 
p. 315 die nur in alten texten erwöhnten mencal und 
mercal fUr verderbt aus mitical. Auf jeden fall ist es be- 
deaklich, diese werte zur aufstellung von lautregeln 
zu verwerten. Sollte Baist Beine gleichnng mithcal mi- 
tical *milcal = natica nalga aufrecht erhalten wollen, 
80 möge er daran erinnert werden, daae zur zeit der 
arab. invasion lat. -t- schon längst zu -d- geworden war, 
in den betreffenden werten also der bekannte wandel 
d > 1 vorliegt. 

Das hierher gezogene wort ep. sdavo ~ germ. *8lav 
kann alierdings jünger sein, obscbon das durch die 
form allein sich kaum begründen lässt, 

sm- in esmalte = germ. *smalt zu *smeltan 
„schmelzen". 



— 60 -. 

sp' in esparvel zu germ. *sparwa- cf. ahd. sparwäri*), 
espeto zw gevm, *spit „spitze'^; espuela zu *8por u. dgl. m. 

8W' liegt nur in namen vor in germ. *8winJ)s, wo das 
w teils erhalten bleibt, zb. Suinthi-liuba 7. jb., teils 
schwindet Sinderith 6. jh. = swinj)a-rel)s ; so ist w^ohl 
auch lang. Älbisinda zu erklären^ nicht mit Meyer p. 
276 f. zu sindi (gasindi). 

-sd- > sl mag in hroslar ,,sticken" = germ. *bruz- 
don (EW I bordo) vorliegen. 

'St- bleibt: mastil zu germ. mast. 

sh- bleibt gewöhnlich: escotar „ausschneiden" 
zu germ. *skauts, escarnir zu *skirn; esquüa zu *skilla, 
esquirar esquilar = got. *skilan**), dessen praet. noch 
in skal erhalten ist cf. Leo Meyer got. spr. § 344. 
Wie aber lat. scambus im span. zambo geworden 
ist, so hat sich auch germ. sh- zuweilen in z- gewandelt^ 
so in dem inschriftlich belegten Zerezindo 6. jh, z= 
*skari-swinl)6 PB VIII 455 und so in dem lehnwort 
zanca = germ. (ae.) skanca. 

-SÄ- haben wir vielleicht in lasca „läppen , schnitte" 
nach Gröber Wölfifl. Arch. III 510 = germ. laska. 

-sÄj- nur in escandano „schenk" BC. Millan 248, 
Jose 102; escanciar Alx. 1078 u. s w. zu germ. *skankjo 
dessen endung sich wohl schon frühe mit lat. -ancius 
vermischt hat; cf. auch pincerna: scantio Reich. Gl. I 
1042. 



*) Das von Walt. p. 102 angesetzte frk. *sparlwäri wird 
druckfehler sein. Übrigens liegt hier nicht germ. a vor r + i 
^ ie vor, sondern Aer ist das lat. suff. -arius, an welches sich 
germ. -&ri früh anlehnte. 

**) Hierher könnte auch afr. eschirer gerechnet werden, das 
reilich auch mit £W IIc zu *skirran gezogen werden kann. 



— 61 — 
C^iittiir»les. 



Lat. g- vor a o u ist im span. unversehrt ge- 
lieben: gozo (gustus) ; formen mit j wie joya sind 
ntlehnungen entweder aus dem frz. oder prov. 
iegerm. lebnworte mQssen dieselbe entwicklang haben: 
garbar „garben binden" zu garba scheint freilich nur 
der prov. Aragonien anzugehören; gabela wird man nach 
der eingehenden Untersuchung von Dozy gloss. p. 75 
kaum dem arab. absprechen können ^ so dass nur ^on- 
falon = ^gundfano Übrig bleibt; jardin ist ohne zweifei 
aas dem frz. entlehnt. 

Lat. g vor e i ist im span. abgefallen: encia 
(= gingiva) ; gewöhnlich schreibt man heutzutage h- : 
hermano, hinojO; helar u. s. w. ; wenn die anlautsilbe 
betont war, so wurde natürlich e diphthongiert und ie 
im anlaut nach alter Schreibweise ye- geschrieben. So 
allein erklären sich die formen yema (gemma), yerno 
(venerum) u. a. Die formen mit g- erweisen sich als 
gelehrte bildungen^ und steht nsp. gente dem asp. volks- 
tilmlichen yente (cf. PC 29. 840. 968 u. ö.) gegenüber.*) 
(cf. auch Gröber W. Arch. II 437). Die entwicklung 
der germ. lebnworte entspricht derjenigen der später 
eingewanderten (gelehrten) Wörter lat. (resp. rom.) Ur- 
sprungs, also giga = germ. giga; ob gigote, das wohl 
aus frz. gigot entlehnt ist, sich mit Scheler aus geigan 
„tremere" ableiten lässt, ist zwar formell nicht anzu- 
zweifeln, erregt aber der bedeutung gegenüber grosse 
bedenken. 



*) Die entwicklung des g- vor o i ist der des h- voUkom- 
nen parallel, cf. yerba: yvierno (nsp. invierno); merkwürdig 
8t der wandel von hier- (gr. Uq-) ^> ger- zb. gerarquia, gero- 
änte, Geronimo etc. 



— 62 — 

Die scheinbare lautverschiebung in sp. confalon 
neben gonfalon erklärt Baist Rom. Forsch. I 109 mit 
recht als anlehnung an die praep. con-. 

-g- fiel: span. airon = *haigiro; ebenso ward in 
eigennamen*ragina- za *raina- *rana-rani— cf.Ranimirus 
a. 850 (JHC n. 248), a. 876 (u. 254), Ramirus a. 929 
(n. 250) Ramiro a. 980 (n. 244).j daraus schliesst Forste 
mann Kz. 20, 432, dass die Unterdrückung der 2. silbe 
um das jabr 900 eingetreten sei; so findet sich neben 
Agila Eila Ella (cf. Stark. 49) etc. 

Zuweilen aber blieb -g- und scheint sich 
dann zu § entwickelt zu haben. So werden sich 
wohl die Schreibungen mit -x-, welches neben dem -g- 
auftritt, erklären lassen, so Exila neben Egila, One- 
xildus etc. cf. Stark 51. 

germ. -gj- > y in sayon < germ. *sagjo, ayo (Rz. 
125) < *hagjo, vielleicht auch desmayar „in ohnmacht 
fallen" zu *magjan?? (ahd- magSn) wie aber erklärt 
sich esmair (Alx. 224. 828)? bemerkenswert ist Ega: 
Aya, ungefähr aus derselben zeit (7. jh.) stammend, 
beide von Bezz p. 8. 9 aus *agja abgeleitet. 

JH. 

Im wesentlichen richtig giebt bereits RG. 1 ' 316 f 
den unterschied zwischen den lat. und germ. worten in 
der entwicklung des k an. Der germ. laut bleibt in 
den roman. sprachen mit ausnähme des frz. un. 
verändert. So steht camarlmgo fUr germ. got. (V)*ka- 
marling (das span. wort wohl aus demital entlehnt), rko 
(germ. *riki), estaca (germ.*staka); ebenso c für germ. H- : 
rueca (germ.*rokk-), vielleicht auch u>car (germ. *tukk6n?) 
tacha^ bereits Rz. 151, ~*germ. taka, mussaus dem frz. 
entlehnt sein, ebenso brecha = fr. breche (nach Walt. 
73 frk. breccä) ; brigola kann nicht hierher gehören. Die 



— 63 — 

andere von RO. 1. c. angegebene aasnahme Rodrigo » 
*hr6I)a-reik8 läset sich vielleicht durch analogie an an- 
dere Substantive mit -igo (= -icus) erklären. 

An* wird im frz. canif ^-^ *kn!f durch svarabhakti 
dem rom. munde angepasst; hiervon scheint entlehnt sp. 
caAivete cafiavete (wohl mit anlehnung an caüa „röhr"); 
daneben das seltsame ganivete Juan Manuel, el libro 
de la caza 62, 26. 

kw- in asp. coalla pr. calha fr. caille ==^ quaccola 
(Reich. Gloss. 1 799, 875), das an stelle von coturnix 
tritt, wohl zu germ. *qak (zu qikan). Von den germ. 
sprachen scheint nur das mndl. quakele diese form er- 
halten zu haben, welche aus derselben anschauung her- 
vorgeht wie unser „wachtel" cf. Grimm Gr. 11 52*). 

H. 

Das lat h- ist bereits im klass. lat. verstummt, 
wie die häufig vorkommende Schreibung eines etymo- 
logisch nicht berechtigten h zeigt. Auch in der wieder- 
gäbe germ. namen mit h- zeigt sich ähnliches schwan- 
ken, etymologisch nicht berechtigtes h- in Halaricus 
Jord. 41, 6 und ö.^— *ala-reik8, ausfall des h- inAria> 
ricus Jord. 87, 7 = *harja-reiks; nur in wfränk. namen 
tritt für h- gewöhnlich ch- ein, und das franz. hat auch 
allein noch die aspiration bewahrt, die freilich jetzt 
mehr und mehr im schwinden begriffen ist. Es wird 



*) Im auslaut des worts liegt wohl anlehnung an das lat. 
suöix-acula ^ -alla vor, welche in diesem falle freilich schwer 
genug zu erklären ist, da zur zeit der germ. invasion der vocal 
u gefallen sein musste und zu einer anlehnung von germ. -acula 
an rom. acla nur geringe veranlassung vorhanden war. Die Un- 
tersuchung über die suffixanlehnung und die in vieler hinsieht 
verwandte suffixvertauschung möge gegenständ einer besonderen 
abbandlung sein. 



— 64 — 

sich kanm entscheiden lassen, ob das wfränk. eine 
stärkere aspiration gehabt hat oder ob diese aspiration 
in der articulation der älteren keltischen bevölkerang 
ihren grund hat; doch ist das letztere das wahrschein- 
lichere. 

Die span. lehnwörter zeigen zwei verschiedene ent* 
Wickelungen; l)ausfall des h, welches zuweilen noch 
graphisch vorhanden ist. 2) f-, von RG. I^ 320 auf 
lehnwörter aus dem frz. beschränkt. Diese Vermutung 
hat etwas bestechendes, wenn man erwägt, dass die 
regelrechte entsprechung von *harjawald im span. araldo 
baraldo ist, während das durch die vecalisierung des 
1 als frz. lehnwort erkenntliche faraute ein f- hat*) ; so 
heisst die harfe im sp. gewöhnlich arpa (zb. Rz. 1204), 
aber Alf. XI str.409 nennt jjarpa de don Tristan" ein 
ihm wohl von frz. Jongleurs überkommenes instrument. 
Aber im einzelnen wird sich das doch nicht durchführen 
lassen; im PC. steht in derselben bedeutung und Ver- 
bindung ardido (v. 79, 3359), dagegen fardido (v. 443) 
zu *hard-, wo die verschiedenen formen vielleicht durch 
schreibereiüfluss zu begründen sind; ebenso finden wir 
onta neben fonfxi afontar. Die letztere form würde sicli 
nur durch eine sehr frühe entlehnung erklären lassen, 
die wir aber auch für faraute annehmen müssen. Weder 
*honter noch *haraut ist uns im frz. erhalten. Wenn wir 
also auch dial. nebenformen in den formen mit f- sehen 
dürfen, so darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass „die 
fälle sich ganz auf frz. Wörter beschränken" (RG. I ' 320). 

Die gewöhnliche wiedergäbe des germ. h 



*) faraute aus fr. *haraut, welches durch das jüngere heraut 
verdrängt worden ist. Auf *haraut aus *haraud *harald weist 
vielleicht auch noch afr.haroder,,zeter schreien*'; die etymologie 
in £W ilc 8. V. haro erscheint wenigstens sehr zweifelhaft, ital. 
farabutto nach Caix studj etim. ital. XlII aus span. faraute. 



— 65 — 

ist aasfall desselben: albergar zu ^hariberga; airon 
zu ^haigirO; mit h- halar (halön) u. dgl. m. 

hl' soll nach Baist GZ VU 1 19 in galopear = *hlau- 
pan vorliegen; während Diez es zu ^ga-hlaupan zieht. 
Baists herleitung ist nicht genügend begründet, galoscia 
sp. haloza kann schon aus dem gründe nicht zum ver- 
gleich herangezogen werden, weil die etymologie dieses 
Wortes noch völlig im unklaren liegt. Eine nicht un- 
wahrscheinliche herleitung desselben aus slav. dementen 
versucht neuerdings Schuchardt Slawo-deutsches etc. p. 79 
hlaupan konnte im span. nur ^alopar, nicht galopar 
werden. Es erscheint überhaupt fraglich, ob h- sich im 
span. zu g- wandeln konnte. Zwar wird arab. h, das 
eine gewisse ähnlichkeit mit unserem h hat, nach DE 
p. 14 bisweilen g. Bei näherem zusehen ergiebt sich 
freilich, dass dieses „bisweilen" sich auf drei verschie- 
dene formen eines und desselben noch dazu nicht ganz 
zweifellosen etymons bezieht*). 

hr- in arenga zu germ. */irm^; dagegen riua/do nach 
EW I zu *hribä, roquete vielleicht zu hrocc (Walt. p. 76), 
wo wohl spätere lehnworte vorliegen. 

-ht- in guaita ^- *wahtw6*) 



*^^-h- 



t*) „Die pikard. formen waloper walop lassen sich nicht mit 
Diez so leicht abweisen (in nordfrz. mundarten verirrt sich g 
manchmal in w) man braucht. *walauppare." Förster. 

•) gaita „sackpfeife" (zb. Alf. XI str. 409) gehört wohl nicht 
hierher. Das von Engelmann erwähnte arab. etymon soll freilich 
aus dem span. entlehnt sein nach Dozy; Schuchardt Slawo- deut. 
sches p. 42 vermutet arab. Ursprung: tschech. kejdy = gajdy 
„dudelsack" türk. ghajdä. 



66 — 



Nachtrag. 



Während des drackes meiner dissertation erschien 
E. Mackels abhandlang: Die germiinischen ele- 
niente in der franz. und provenz. spräche. Heilbronn 
1887. (Franz. Sind. VI; heft 1), welche einen bedeuten- 
den fortschritt gegenüber den bisher erschienenen ar- 
beiten zeigt. Die methode des Verfassers ist eine an- 
dere als die meine, nnd so ist auch das resultat vielfach 
ein anderes. Wer von uns beiden recht hat, wird in 
vielen fällen Überhaupt nicht zu entscheiden sein. Eine 
ansftthrliche recension der MackePschen arbeit behalte 
ich mir vor. 



Thesen. 

1. Die Verschiedenheit der romanischen völkerbildangen 
ist vor allem durch die Verschiedenheit der« vor- 
romanischen Völker zu erklären; der einfluss der 
^^germanischen zuthat'^ (cf. Dahn Urgesch. d. germ. 
u. röm. Völker 1 77) ist sekundär. 

2. Die von Körting (Encycl 111 188) versuchte erklärung 
des nominativ-s im afrz. und prov. aus germ. einfluss 
ist nicht stichhaltig. 

3. Das von Diez £W 11 b s. v. alamo u. Baist Rom. Forsch. 
1 132 aufgestellte lautgesetz^ dass im span. sich -In- 
nicht hält; ist unbegriladet;. 

4. Die in den meisten roman. sprachen vollzogene diph- 
thongierung gewisser ursprünglicher lat. monophthon- 
gen war im vulg. lat. noch nicht vorhanden. 

5. ala ;;alant'' darf nicht mit £W I enola und Gröber 
Wölfßin Arch 111 267 zu lat. inula gezogen werden. 

6. Ital. bosco fr. bois etc. setzen ein vulg. lat. ^buxicum 
voraus. 

7. Bom. pilota ist aus gr. ^jtfjddrrjg entstanden (zu 7i9jd6v 
„Steuerruder") [cf. Breusing Zts. des Vereins f. ndd* 
Sprachforschung 1878]. 

8. Der zweifei von Franz „die lat. rom. demente im 
ahd. p. 69'^ an der entlehnung des ahd. esil aus lat. 
asinus ist unbegründet.